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Welches Gebiss für welches Pferd?

Seit Jahrtausenden verwenden die Menschen Gebisse beim Reiten, um ihr Pferd besser kontrollieren zu können, ursprünglich und hauptsächlich zur Temporegulierung, aber auch für das Stellen und Biegen des Pferdes oder zum Lenken. Anatomisch ist der Pferderücken nicht für das Tragen eines Menschen vorgesehen. Um ein Reitpferd jedoch lange gesund zu erhalten, ist es wichtig, dass das Pferd unter der Last seines Reiters den Rücken aufwölbt. Dies geschieht, indem das Pferd „ans Gebiss geritten“ wird und es sein Gewicht auf die Hinterhand verlagert. Dies nennt man Versammlung. Doch viel zu oft versucht der Reiter – reitweisenübergreifend- mit zuviel Gewalt, wenig Geduld oder Unwissen diese Versammlung bei seinem Pferd zu erzwingen.

In diesem Blog möchten wir Dich über die verschiedenen Arten von Gebissen informieren. Geh sensibel mit der Wahl des „richtigen Gebisses“ um, denn Du kannst bei der Nutzung und Anwendung des falschen Gebisses nicht nur physische sondern auch psychische Wunden bei deinem Pferd hervorrufen.


Warum ist die Wahl des richtigen Gebisses von so großer Bedeutung?

Dir muss bewusst sein, dass ein noch so harmloses Gebiss durch eine ruppige und unsensible Reiterhand Deinem Pferd Schmerzen verursacht. Aus diesem Grund richtet sich die Wahl des richtigen Gebisses immer:

  • nach Ausbildungsstand des Reiters
  • nach Ausbildungsstand des Pferdes

 


Welche verschiedenen Gebisse gibt es und wie wirken sie auf das Pferdemaul?

Wir haben Dir hier die gebräuchlichsten Gebisse zusammengestellt:

Einfach gebrochene Wassertrense (western: snaffle bit):

Beschreibung: bestehend aus zwei miteinander beweglich verbundenen Schenkeln
Wirkung: Gute Akzeptanz beim Pferd, jedoch bei zu starker Einwirkung der Zügel kann es zum sogenannten Nussknacker-Effekt kommen, d.h. die Zunge wird eingequetscht. Druck auf die Laden
Geeignet für: Anfänger mit Gefühl, Pferde jeglichen Alters

Doppelt gebrochene Wassertrense: (western: snaffle bit)

Beschreibung: aufgebaut wie eine einfach gebrochene Wassertrense, aber die beiden Schenkel sind über ein drittes, bewegliches Glied miteinander verbunden. Deutlicher Vorteil zu der einfach gebrochenen Wassertrense.
Wirkung: Nussknacker-Effekt wird hier verhindert, gleichmäßige Druckverteilung,  Mittelstück sollte nicht zu dick sein.
Geeignet für: Anfänger und Fortgeschrittene, Standard-Gebiss bei der Ausbildung von Jungpferden

Olivenkopftrense: (western: D-ring snaffle bit)

Beschreibung: Das Mundstück ist fest an den Gebissringen befestigt. Es endet in zwei quer verlaufenden „Oliven“, die die Gebissringe führen. Im Gegensatz zu anderen Gebissarten können die Lefzen so nicht in die Ringlöcher einklemmen. In einfach gebrochener und doppelt gebrochener Form erhältlich.
Wirkung: Durch das Anliegen der Gebissringe am Pferdekopf ergibt sich auch eine leichte Einwirkung bei seitwärts weisenden Hilfen.
Geeignet für: Anfänger und Fortgeschrittene, Pferde jeden Alters und Ausbildungsstandes

D-Ringtrense: (western: D-ring snaffle-bit)

Einfach- oder doppelt gebrochene Wassertrense, Mundstücke sind fest an den D-förmigen Gebissringen befestigt
Wirkung:  Durch die D-Ringe wird im Gegensatz zu anderen Gebissarten ein „Durchziehen“ des Gebisses bei einseitiger Zügelhilfe verhindert. Ähnlich wie das Olivenkopfgebiss, wirken die D-Ringe auch als seitliche Begrenzung.
Geeignet für: Anfänger, Pferde jeden Alters und Ausbildungsstandes

Schenkeltrense:

Beschreibung: Wassertrense mit seitlichen Schenkeln von ca. 5 bis 8 cm Länge.
Wirkung: Seitenteile verhindern ein „Durchziehen“ des Gebisses durchs Pferdemaul bei einseitig wirkender Zügelhilfe. Zusätzlich wird, anders als bei anderen Gebissarten, gleichzeitig auf der Gegenseite Druck ausgeübt, der das Pferd dazu veranlasst, der Hilfe nachzugeben und in die gewünschte Richtung zu wenden. Die Schenkel können zusätzlich mit Lederösen an den Backenstücken fixiert werden.
Geeignet für: Pferde, die sich gerne richtungsweisenden bzw. biegenden oder stellenden Zügelhilfen entziehen

Kandare (western: snaffle bit with shanks):

Beschreibung: Spezielles Stangengebiss, nicht gebrochen, mit Hebelwirkung.
Wirkung: Durch die Anzüge der Kandare wird der Zug des Zügels nicht nur auf das Gebissstück im Maul übertragen, sondern über die Backenstücke auch auf das Genick. Die Kinnkette verstärkt den Zug auf das Gebissstück und drückt gleichzeitig von unten gegen den Unterkiefer. Dient zur Verfeinerung der Hilfengebung.
Geeignet für: erfahrene Reiter, Pferde mit hohem Ausbildungsstand und guter Selbsthaltung


Gebiss-Materialien: welcher Geschmack schmeckt Deinem Pferd?

  • Edelstahl: Bestehend aus verschiedenen Teilen Chrom, Stahl und Nickel. Edelstahlgebisse glänzen durch den Chrom-Anteil immer deutlich silbern.
  • Argentan (auch German Silver oder Neusilber genannt): bestehend zu unterschiedlichen Teilen aus Kupfer, Nickel und Zink. Je nach Kupferanteil können Argentan Gebisse von dunkel silber bis hell golden sein.
  • Kupfer: Zum einen wirkt es antibakteriell, zum anderen schmeckt es süßlich, wenn es oxidiert. Dies regt die Speichelbildung bei Pferden an, die dadurch angeregt werden vermehrt zu kauen und so grundsätzlich das Gebiss besser annehmen
  • Gummi: Für Pferde, die gerne kauen und genug Speichelfluss erzeugen. Einige Pferde, die mit Edelstahl-Gebissen nicht gerne laufen, mögen Gummi-Gebisse lieber.
  • Eisen (auch sweet iron genannt): Eisen oxidiert mit Speichel, es entsteht der für Pferde angenehme süssliche Rostgeschmack.

 


So misst Du die richtige Gebiss-Größe für Dein Pferd:

Gebiss-Stärke:

Das Pferd muss in der Lage sein, sein Maul mit dem Gebiss komplett zu schließen. Früher galt als Faustregel „je dicker das Gebiss, desto weicher ist es für das Pferd“. Da die Pferde aber heute eher kleinere Köpfe und somit kleinere Kiefer haben, ist diese Faustregel nicht mehr so passend. Hier hilft nur im Pferdemaul mal nachzufühlen, wieviel Platz eigentlich vorhanden ist. Passen locker 2 Finger übereinander zwischen Ober- und Unterkiefer (Keine Angst, an dieser Stelle hat das Pferd keine Zähne), dann kann man alle Gebissdicken verwenden, ist es nur ein Finger, sollte man höchstens 16 mm dicke Gebisse verwenden.

Gebiss-Weite:

Gemessen wird immer das Innenmaß des Gebisses. Nimm ein gewünschtes Gebiss und lege es Deinem Pferd ins Maul. Richte das Gebiss so aus, dass an einer Maulseite der Gebissring anliegt. Jetzt beobachte, wie stark das Gebiss auf der anderen Seite des Maules herausschaut. Hier gilt folgende Faustregel: Für einfach gebrochene Gebisse wird 1 cm Spielraum hinzuaddiert, bei doppelt gebrochenen Gebissen 0,5 cm. Bei Gebissen mit festen Ringen (z.B. Olivenkopfgebiss) sollte darauf geachtet werden, dass die Ringe seitlich am Pferdemaul anliegen, um die seitliche Einwirkung zu gewährleisten. Bei einem gut sitzenden Gebiss sollten sich 1-2 Falten im Maul Deines Pferdes bilden. Sind es mehr, ist das Gebiss zu klein und / oder die Verschnallung an die Trense ist zu kurz.


Fazit:

Wir haben Dir in diesem Blog die gängigsten Gebisse für Dein Pferd aufgeführt. Du weißt jetzt, welche Auswirkung  jedes einzelne Gebiss auf das empfindliche Maul Deines Pferdes hat. Wie schon zu Anfang erwähnt, sind folgende Kriterien bei der Wahl des richtigen Gebisses entscheidend:

  • Der Ausbildungsstand des Reiters

Sei ehrlich zu Dir selber: Wie erfahren bist Du als ReiterIn, wie ruhig ist Deine Hand? Jede noch so kleine Bewegung Deiner Hand und sogar Deiner Finger kommt im Pferdemaul an. Bleib fair und hole Dir Hilfe von einem guten Trainer, der das nötige Verantwortungsgefühl hat.

  • Der Ausbildungsstand des Pferdes

Erwarte von Deinem  Pferd nur das, was es auch kann. Ständiges Ruppeln, Ziehen und Halten der Zügel wird nicht den gewünschten Erfolg bringen. Lass Deinem Pferd Zeit, Neues zu erlernen.


 

Quellen:

https://www.horze.de/wann-verwende-ich-welches-gebiss%3F/wann-verwende-ich-welches-gebiss.html

https://herzenspferd.de/wirkung-gebisse/

https://www.procavallo-blog.de/die-richtige-gebissgroesse/

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