HINWEIS:
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Plötzlich ist das Pferd beim Reiten nicht mehr so geschmeidig, es hält sich im Rücken fest oder ist teilweise sogar lahm. Rückenschmerzen beim Pferd sind ein sehr komplexes Problem, dessen Ursache oft nicht eindeutig erkennbar ist. Die gute Nachricht ist aber: Wenn du weißt, dass dein Pferd einen empfindlichen Rücken hat, kannst du schon im Vorfeld einiges tun, um Schmerzen vorzubeugen. Dieser Ratgeber gibt dir eine Übersicht, wie du Rückenschmerzen erkennst, welche Ursache sie haben können und wie du sie behandeln kannst.
WICHTIG:
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Inhaltsverzeichnis
Der Rücken als Schwachstelle
Wenn du dir dein Pferd und dessen Anatomie betrachtest, kannst du vielleicht schon erahnen, was den Pferderücken so empfindlich macht: Der Rücken ist keine stabile Brücke, sondern eine flexible Wirbelsäulenkonstruktion, die den Rumpf zwischen Vorder- und Hinterhand trägt und Bewegungen abfedert. Dabei dient der lange Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi) vor allem der Fortbewegung; Wird er durch zusätzliches Gewicht überlastet, kann er verhärten und eine sogenannte Trageerschöpfung auftreten. Mit gezieltem Muskelaufbau, Dehnungsübungen und einer sorgfältigen Trainingsplanung kann ein Pferd den Rücken stärken und trotzdem komfortabel unter dem Reiter arbeiten.
- Der lange Rückenmuskel (Musculus longissimus dorsi) ist eigentlich nicht dafür gemacht, einen Reiter zu tragen. Foto: © Universitäres Tierspital Zürich, 2026
Pferde können bekanntlich nicht sprechen, allerdings können sie sehr gut zeigen, wenn sie Schmerzen haben. Vielen Pferden kann man das oft schon an der Mimik ansehen. Das wird dann Schmerzgesicht genannt. Diese Pferde kneifen zum Beispiel die Augen zusammen und spannen die Nüstern an. (Mehr Informationen dazu, woran du ein Schmerzgesicht erkennst, findest du in unserem Ratgeber Schmerzgesicht Pferd – So erkennst Du, ob Dein Tier leidet!)
Es gibt außerdem zwei weitere grundsätzliche Optionen, um herauszufinden, ob dein Pferd Rückenschmerzen hat: Ein auffälliges oder ungewöhnliches Verhalten oder optische Anzeichen.
Hast du bei deinem Pferd schon mal eine der folgenden Auffälligkeiten bemerkt?
Durch welches Verhalten kann dein Pferd Rückenschmerzen äußern?
Auffälligkeiten rund um Putzen, Satteln und Aufsitzen
Besonders hohe Aussagekraft haben Verhaltensauffälligkeiten des Pferdes, die einen klaren Zusammenhang zwischen der jeweiligen Aktion und dem Pferderücken besitzen. Wenn dein Pferd es sonst liebt, wenn du ihm über den Rücken streichst oder bürstest, ist es ein Alarmsignal, wenn es dann plötzlich zusammenzuckt. Das gilt auch dann, wenn es das gewohnte Auflegen des Sattels, das Nachgurten oder das Aufsitzen nicht toleriert.
Auffälligkeiten während des Reitens
Wenn du dein Pferd selbst und häufig reitest, wird es dir bereits auffallen, wenn es sich anders bewegt als sonst. Das betrifft vor allem Gangauffälligkeiten und andere seltsame Bewegungen. Pferde mit Rückenschmerzen geraten häufiger aus dem Takt, können plötzlich grundlos Buckeln oder Steigen oder haben Probleme mit dem Rückwärtsrichten und der Versammlung. Viele Reiter berichten auch, dass ihre Pferde den Rücken wegdrücken oder wie „mit angezogener Handbremse“ laufen.
Auffälligkeiten im Bewegungsablauf
Wenn du dein Pferd häufiger longierst, am Boden arbeitest oder freilaufen lässt, kannst du das ebenfalls als Gelegenheit nutzen, um den Bewegungsablauf zu überprüfen. Auch hier sind Taktfehler, ein steifer Gang, häufiges Ausfallen im Galopp oder ein Umspringen in den Kreuzgalopp erste deutliche Symptome dafür, dass etwas im Argen liegt. Im Grunde kannst du das mit uns Menschen vergleichen: Auch uns sieht man Rückenprobleme schon an der Art an, wie wir uns bewegen.
Diese Auffälligkeiten im Verhalten sind in der Regel sehr deutliche Hinweise auf Rückenschmerzen. Außerdem gibt es optische Auffälligkeiten, die dir zeigen können, dass mit dem Rücken deines Pferdes etwas nicht stimmt. Typische Beispiele beschreiben die nächsten Abschnitte.
Welche optischen Anzeichen lassen Rückenschmerzen des Pferdes vermuten?
Manchmal kannst du deinem Pferd die Ursache von Rückenschmerzen buchstäblich ansehen.
Der Schweif unter der Lupe
Es lohnt sich immer, einen Blick auf den Schweif des Pferdes zu werfen, da er eine sehr deutliche Signalwirkung hat. Ist er nicht gerade, sondern schräg? Oder klemmt ihn den Pferd vielleicht sogar ein? Dies ist ebenfalls ein mögliches Anzeichen dafür, dass das Pferd Rückenprobleme hat. Es kann sein, dass es deswegen eine unphysiologische Schonhaltung einnimmt.
Fehlende Muskulatur und hervorstehende Wirbel
Streiche deinem Pferd sanft über den Rücken. Treten die einzelnen Wirbel deutlich hervor? Das ist ein deutliches Warnsignal Wenn es nicht ein altes oder krankes Tier ist, sollte die Rückenmuskulatur so gut ausgeprägt sein, dass die Wirbel nicht tastbar, geschweige denn sichtbar sind. Ein plötzlicher Muskelschwund oder eine schlecht bemuskelte Rückenlinie können klare Hinweise auf Rückenprobleme sein.
Auch hier gibt es wieder eine Parallele zwischen Pferden und Menschen: Ist der Rücken untrainiert, kann er Probleme machen. Darüber hinaus können schwache Bauchmuskeln ebenso Rückenschmerzen begünstigen, weil die Muskulatur des Rumpfes nicht ausgeglichen ist und gut zusammenarbeitet.
Was für die Wirbel gilt, gilt auch für die Schulter: Auch sie sollte gut in einer muskulären Schicht eingebettet sein. Umgekehrt bedeutet das: Wenn der Schulterknochen heraussteht und daneben Kuhlen sind, dürfte die Rückenmuskulatur deines Vierbeiners nicht ausreichend trainiert sein.
Kurz zusammengefasst: Symptome von Rückenschmerzen
Auffälligkeiten im Bewegungsablauf oder beim Reiten
- Häufiges Ausfallen im Galopp oder Umspringen in den Kreuzgalopp
- Taktfehler oder Lahmheiten
- Steifer Gang und/oder Bewegungsunlust
- Probleme bei der Versammlung und dem Rückwärtsrichten
- Wegdrücken des Rückens oder Zähneknirschen
- Pferde haben Probleme, über den Rücken zu gehen und zu „schwingen“ und laufen wie mit „angezogener Handbremse“
- Scheinbar grundloses Buckeln, Steigen oder Durchgehen
Verhaltensauffälligkeiten
- Pferde reagieren empfindlich beim Satteln und/oder Gurten (Sattel- bzw. Gurtzwang)
- Sensibilität beim Abtasten und/oder Putzen des Rückens
Optische Auffälligkeiten
- Muskelschwund bzw. eine generell schwach bemuskelte Oberlinie
- Einbuchtungen im Bereich der Schulter
- Ein eingeklemmter oder schiefer Schweif
Ursachen von Rückenproblemen
Die Gründe für Rückenschmerzen beim Pferd können vielfältig und überlappend sein: Angefangen bei Verspannungen der Muskulatur, über Blockaden, Entzündungen, bis hin zu schweren Erkrankungen wie Kissing Spines.
GUT ZU WISSEN: DAS SIND KISSING SPINES
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Ungeeignetes Equipment, etwa ein unpassendes Gebiss oder ein schlecht sitzender Sattel, kann die Entstehung von Rückenschmerzen zusätzlich begünstigen. Auch Faktoren wie ein dauerhaft zu hohes Reitergewicht oder eine unausbalancierte Reittechnik wirken sich belastend auf den Pferderücken aus, ohne zwangsläufig Kissing Spines auszulösen,
Darüber hinaus können entzündliche Prozesse im Rückenbereich Schmerzen verursachen.
Stürzt ein Pferd beispielsweise auf der Weide oder beim Freilaufen, kann dies ebenfalls Auswirkungen auf den Rücken haben. In der Folge können schmerzhafte Verletzungen oder Verspannungen entstehen.
Hast du den Verdacht, dass dein Pferd Schmerzen im Rücken hat, sollte zunächst ein Tierarzt zurate gezogen werden. Je nach Diagnostik empfehlen sich verschiedene Therapiemöglichkeiten.
Hilfe im Alltag
Für Pferdebesitzer gibt es gibt verschiedene Möglichkeiten, Pferde mit einem empfindlichen Rücken im Alltag zu unterstützen und Rückenschmerzen vorzubeugen. Der einfachste Weg ist sicherzustellen, dass dein Pferd eine passende Ausrüstung hat. Wichtig dafür ist zum Beispiel, dass die Passform des Sattels regelmäßig kontrolliert wird. Wenn du dir unsicher bist, ob du das richtige Gebiss für dein Pferd hast, empfiehlt sich eine Gebissberatung.
Außerdem sollten Pferde natürlich gesunderhaltend trainiert und gymnastiziert werden.
Durch das richtige Training bauen Pferde eine starke Muskulatur auf. Des Weiteren lösen sich Verspannungen auch häufig von selbst, wenn ein Pferd gesunderhaltend gymnastiziert wird.
Auch die Haltung spielt eine wichtige Rolle: Hat ein Pferd die Möglichkeit, sich auf einem Paddock oder einer Wiese frei zu bewegen, hat es vermutlich weniger Probleme mit Rückenschmerzen als ein Pferd, das lange Zeit in einer Box steht. Es bietet sich also auch an, die Haltung des Vierbeiners einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Auch regelmäßige Besuche beim Physiotherapeuten oder Osteopathen helfen bei Verspannungen und beugen Rückenschmerzen vor.
TIPP:
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Ansonsten gibt es auch verschiedene weitere Hilfsmittel, die bei Rückenschmerzen helfen können. Einige davon stellen wir dir in den nächsten Abschnitten vor.
Wärme hilft
Ein bekanntes und bewährtes Mittel gegen Schmerzen ist Wärme. Wenn du deinem Pferd etwas Gutes tun möchtest, kannst du es zum Beispiel einfach am Putzplatz in der Sonne anbinden oder ihm ein paar Minuten unter dem Solarium gönnen. Außerdem gibt es spezielle Rückenwärmer, die den Pferden einfach auf den Rücken gelegt werden können. Aber auch normale Abschwitzdecken haben einen wärmenden Effekt auf die Rückenmuskulatur. Durch die Wärme können beanspruchte Muskeln leichter entspannen.
- Ein Rückenwärmer ist eine einfache Möglichkeit, um für Entspannung zu sorgen.
Unterstützung durch Magnetfeld- und Massagedecken
Um ein Pferd ideal auf das Training ideal auf das Training vorzubereiten und Rückenschmerzen vorzubeugen, nutzen viele Pferdebesitzer Magnetfeld- oder Massagedecken. Bei Magnetfelddecken soll die Durchblutung der Muskulatur durch pulsierende oder statische Magnetfelder angeregt werden. Der Magnet reagiert auf den Eisenanteil im Blut. So wird nicht nur die Durchblutung gefördert, auch der Zellstoffwechsel profitiert davon. Zudem wird die Sauerstoffsättigung in den roten Blutkörperchen gesteigert und die Muskulatur wird gelockert. Die Pferde können schneller regenerieren und Gelenke, Bänder und Sehnen werden gekräftigt. Neben den Magnetfelddecken gibt es auch Hufglocken, Stallgamaschen oder Sprunggelenk- und Fesselbandagen mit magnettherapeutischer Wirkung. Eine ähnliche Funktion haben Massagedecken. Durch die Vibration wird die Blutzirkulation angeregt und Muskeln und Sehnen gelockert. Infolgedessen entspannen die Pferde.
- Magnetfelddecken fördern die Durchblutung.
Nadeln gegen Schmerzen
Immer größerer Beliebtheit erfreuen sich Akkupressurmatten oder -decken. Diese sind mit mehreren hundert kleinen Nadeln aus Kunststoff versehen. Ihre Wirkung erzielen diese Matten, indem sie Druck auf spezielle Punkte im Körper ausüben. So wird die Durchblutung angeregt und der Körper produziert mehr Eigenwärme. Dadurch werden die Muskeln besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, die Faszien entspannen sich und durch die Aktivierung der Schmerzrezeptoren unter der Haut werden Botenstoffe freigesetzt, die schmerzlindernd wirken.
Massagegeräte verschaffen Linderung
Viele Pferdebesitzer schwören auch auf den Einsatz von verschiedene Massagegeräten. Diese Geräte arbeiten in der Regel mit Schallwellen, die dafür sorgen, dass sich Muskeln gezielt zusammenziehen. Diese Stimulation stärkt die lokalen Regulationsmechanismen der Gefäße und des Gewebes und verbessert außerdem die Funktion des Blutkreislaufs. Die Vibrationen stimulieren das Gewebe und führen so zu einer Lockerung oder Aktivierung der angesprochenen Muskeln. Bestimmte Modelle wie das Health + Care Massagegerät Pro, Hot & Cold haben zusätzlich auch kühlende oder wärmende Funktionen.
Es gibt aber auch mechanische Massagegeräte wie den Health + Care Relax Roller von Waldhausen oder spezielle Massagehandschuhe.
Je nachdem kannst du auch selbst Hand anlegen und dein Pferd vorsichtig mit den Fingern massieren. Aber Achtung: Lass dir hier am besten von einem Pferdephysiotherapeuten Techniken zeigen, weil du sonst schnell eher Schmerzen verursachen kannst, statt sie zu lindern
ACHTUNG:
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Fazit
Rückenschmerzen haben immer eine Ursache und eine Therapie kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Grund für die Schmerzen beseitigt wurde. Das kann unpassendes Equipment sein, ein falsches Training oder eine ungeeignete Haltung mit wenig Bewegung sein.
Manchmal liegen den Schmerzen auch ernsthafte Erkrankungen zugrunde. Deswegen ist es wichtig, dass die Ursache für die Schmerzen tierärztlich abgeklärt wurde.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Rückenschmerzen beim Pferd – FAQ:
Was ist ein deutliches Zeichen, dass mein Pferd Rückenschmerzen hat?
Kann ich leichten Rückenschmerzen meines Pferdes vorbeugen?
Sollen auch Pferde Dehnübungen machen?
Quellen:
pferdeklinik-aschheim.de/rueckenprobleme-beim-pferd/
cavallo.de/medizin/so-machen-sie-den-pferderuecken-stark/
tierspital.uzh.ch/pferdekliniken/rueckenschmerzen/
vetcare.ch/de/pferde/kissing-spines.php
Marshall Gibson, H., Durham, J., Seabaugh, K., Moorman, V., & Ferris, D. (2023). Survey of equine veterinarians regarding primary equine back pain in the United States. PubMed. PMID: 37565081.
Lee, J. H., Oh, J. H., Kang, J. A., & Park, Y. J. (2020). Clinical assessment and grading of back pain in horses. Journal of Veterinary Science, 21(3). PMID: 33263229
Domańska Kruppa, N., Wierzbicka, M., & Stefanik, E. (2024). Advances in the clinical diagnostics to equine back pain: a review of imaging and functional modalities. Animals, 14(5), 698.
Bildnachweise:
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© Jil Haak / Stallbedarf24








