Immer mehr Pferdebesitzer möchten ihren Tieren ein Leben im Aktivstall ermöglichen. Aber wie genau funktioniert das Konzept eigentlich? Wir waren zu Besuch auf dem Bosselbacher Hof und durften uns dort ein Bild von dieser Haltungsweise machen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Aktivstall für Pferde?
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Nina Kaulen betreibt gemeinsam mit ihrem Bruder den Bosselbacher Hof.
Der Bosselbacher Hof liegt zwischen malerischen Eifel-Höhen. Nach über 20 Jahren Pferdehaltung hat sich die Familie Kaulen dazu entschlossen, ihre Anlage in einen HIT-Aktivstall umzubauen. „Wir haben unsere Pferde früher in Boxen gehalten, aber sie sind damals schon sehr, sehr viel auf die Weide gekommen. Uns war wichtig, dass sie so wenig wie möglich in den Boxen stehen. Irgendwann mussten wir unseren Stall umbauen, weil es schon ein sehr altes Gebäude war und dann haben wir uns entschieden, in einen Aktivstall zu investieren“, erinnert sich Nina Kaulen, die den Stall zusammen mit ihrem Bruder führt. Seit Herbst 2013 leben dort nun knapp 50 Pferde in dem Aktivstall der Familie.
GUT ZU WISSEN
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Aktivställe wie der Bosselbacher Hof bieten den Pferden steppenähnliche Bedingungen und werden deswegen als besonders artgerecht empfunden.
Auf dem Bosselbacher Hof leben die Pferde im Herdenverband in einer gemischten Herde und können sich den ganzen Tag über nach Lust und Laune frei bewegen. Durch die Konzeption des Stalls haben sie außerdem die Möglichkeit, ihrem natürlichen Fressverhalten nachzukommen.
Ständig in Bewegung
Damit Pferde im Aktivstall sicher, komfortabel und gesund leben können, spielt die richtige Ausstattung eine wichtige Rolle. Von trittsicheren Bodenlösungen über zuverlässige Tränken bis hin zu Beschäftigungselementen – diese Produkte eignen sich besonders für Offen- und Aktivställe:
Eine Besonderheit des Bosselbacher Hofes ist es, dass er an einem Hang gebaut wurde. Die verschiedenen Bereiche des Pferdelebens verteilen sich somit auf drei Ebenen, die durch Laufwege mit unterschiedlichen Belägen miteinander verbunden sind. Wie in der Natur werden die Pferde so motiviert, ständig in Bewegung zu bleiben, um ihre natürlichen Bedürfnisse zu befriedigen.

Naturmaterialien sorgen für Abwechslung und Bewegungsanreize.
Auf der obersten Ebene befinden sich frostsichere Tränken, sowie eine große Liegehalle zum Ruhen und Wälzen. Auf der zweiten Ebene darunter ist ein Futterautomat, in dem die Pferde Kraftfutter bekommen und auf der Ebene darunter gibt es mehrere Raufutterbereiche. Für ältere und sehr schwerfuttrige Pferde gibt es auch noch einen extra Bereich, in dem den ganzen Tag über Heu zur freien Verfügung steht. Auf etwa 5.000 m² haben die Pferde genug Raum, um sich aus dem Weg zu gehen, was für Ruhe und Harmonie in der Herde sorgt. Auch rangniedrigere Pferde können so die Vorteile der Herdenhaltung genießen
GUT ZU WISSEN
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Futter aus dem Automaten
Heu, Kraft- und Mineralfutter bekommen sie aus speziellen Fütterungsanlagen. Mithilfe eines Chips, den die Pferde entweder an einem Halsring oder in die Mähne eingeflochten tragen, erkennt ein Computer in dem Automaten, welches Pferd in welche Futterzone darf oder ob das Pferd schon das Maximum seiner täglichen Kraftfuttermenge erreicht hat. Sie können sich nämlich über den Tag verteilt mehrere Futterportionen abholen. Vorab können die Besitzer selbst entscheiden, wie viel Kraftfutter und Heu ihre Pferde bekommen sollen.

Die Fütterung der Pferde lässt sich durch einen Chip individuell steuern.
Die Futterverteilung über den ganzen Tag hinweg entspricht dem natürlichen Fressverhalten und wirkt sich positiv auf den Magen aus. Koliken oder Magengeschwüren wird durch diese Fütterungsweise vorbeugend entgegengewirkt.
Die Fütterungsintervalle motivieren die Pferde auch dazu, sich mehr zu bewegen. „Wir beobachten es häufiger, dass sie in der untersten Ebene ihr Heu fressen und danach erst mal zur obersten Ebene zu laufen, um dort ihren Durst zu stillen“, erzählt uns die Nina Kaulen im Interview.
GUT ZU WISSEN
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Der Bosselbacher Hof nimmt nur während der Weidesaison neue Pferde auf. Auf der Wiese haben die Tiere genug Raum, um sich kennenlernen, nachts geht es für die „Neuen“ dann in Eingewöhnungsboxen. „Bei uns ist es so, dass die Pferde in den ersten zwei Wochen auch von ihren Besitzern erst mal ‚in Ruhe‘ gelassen werden sollen. Natürlich darf man sein Pferd besuchen und es putzen, aber wenn möglich sollte man auf das Reiten verzichten und Hufschmied-Termine nicht genau in diesen Zeitraum legen. Die Pferde haben mit der Eingewöhnung selbst erst einmal genug zu tun.“
An die Futterautomaten werden die Bewohner von den Stallbetreibern in Ruhe herangeführt:, wie Nina Kaulen erklärt: „Wir zeigen den neuen Pferden immer ganz entspannt, wie die Automaten funktionieren und eigentlich verstehen sie das auch immer recht schnell.“ Für die meisten Pferde ist das Leben im Aktivstall eine große Umstellung. Meistens brauchen sie ein paar Monate, um sich an alles zu gewöhnen. „Wir sagen immer, dass sie hier richtig angekommen sind, wenn sie einmal alle Feste mitgemacht haben, also ein Jahr da sind“, sagt die Stallbetreiberin.
Wenn du darüber nachdenkst, dein Pferd in einen Aktivstall zu stellen, solltest du ihm also genug Zeit geben und nicht übereilt aufgeben. Trotzdem solltest du deinen Vierbeiner natürlich gut beobachten, denn es gibt auch Pferde, für die ein Aktivstall gar nichts ist.
Fazit
Pferde, die im Aktivstall leben, sind in der Regel entspannt und gerade ältere Pferde sind werden durch diese Haltung gesund und fit gehalten. Angst, dass sie durch die Haltung im Aktivstall nicht mehr so leistungsbereit sind, brauchen Pferdebesitzer nicht zu haben, erklärt Nina Kaulen: „Es ist völliger Quatsch zu glauben, dass die Pferde durch das Leben im Aktivstall müde oder träge werden. Es ist eher so, dass sie ausgeglichen und einfach zufrieden sind. Wir haben auch zwei Einstaller, die immer mal wieder zu Turnieren fahren.“
Das Leben im Herdenverband, die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und die verschiedenen Umweltreize wirken sich positiv auf das Wohlbefinden aus. „Es ist eher selten, dass eins unserer Pferde mal krank wird“, sagt Nina Kaulen.
Auf dem Bosselbacher Hof leben Pferde aus ganz verschiedenen Altersklassen zusammen. Die Jungpferde haben so die Möglichkeit, von ihren älteren Artgenossen soziales Verhalten zu lernen.
Auch die Besitzer profitieren durch die Haltung im Aktivstall. Wer es einmal nicht zu seinem Pferd schafft, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, weil sich die Pferde auch von allein den ganzen Tag bewegen und dadurch ausgelastet sind.
Mehr zum Aktivstall vom Bosselbacher Hof erfährst du hier: https://www.bosselbacher-hof.de/aktivstall/.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Aktivstall – FAQ:
Worin liegt der Unterschied zum „normalen“ Offenstall?
Wie viel bewegen sich die Pferde im Aktivstall wirklich?
Ist ein Aktivstall auch für alte oder kranke Pferde geeignet?
Quellen:
pferd-aktuell.de/ausbildung/pferdehaltung/pferdefuetterung/fuetterung-pferde-richtig-fuettern
pferd-aktuell.de/ausbildung/pferdehaltung/einzel–und-gruppenhaltung/einzelhaltung-und-gruppenhaltung-von-pferden
fundis-reitsport.de/blog/haltung/aktivstall-pferde/
Time-activity budget in horses and ponies: A systematic review and meta-analysis on feeding dynamics and management implications. Journal of Equine Veterinary Science, 154, 105684.
Hoffmann, G., Bentke, A., Rose-Meierhöfer, S., Berg, W., Mazetti, P. & Hardarson, G. H. (2012). Influence of an active stable system on the behavior and body condition of Icelandic horses. Animal, 6(10), 1684–1693.
Bildnachweise:
© Jil Haak / Stallbedarf24






