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Warum das Thema Übergewicht beim Pferd wichtig ist!
Ein paar Kilos mehr für schlechte Zeiten können nicht schaden? Wie bei uns Menschen, ist auch bei unseren Pferden Übergewicht ein großer Risikofaktor für die Entstehung von zahlreichen chronischen Erkrankungen. Durch unpassende Fütterung, mangelnde Bewegung, falsche Vorstellungen vom Idealgewicht und auch die Ausbreitung von nicht in Deutschland heimischen Rassen sind übergewichtige Pferde leider keine Seltenheit mehr. Sicheres erkennen von Übergewicht und die Ergreifung von passenden Diät-Maßnahmen, gemeinsam mit Experten, sind eine wichtige Aufgabe für alle Pferdebesitzer, bei denen die sprichwörtliche Liebe nicht nur durch den Magen geht.
Woran erkenne ich, ob mein Pferd zu dick ist?
Der wichtigste Bewertungsscore für Übergewicht beim Pferd ist nicht allein das Gewicht. Ähnlich wie beim Menschen wurde zusätzlich ein Body Condition Score (BCS) entwickelt. Der Vorteil: er kann mit ein bisschen Übung ohne aufwändige oder teure Hilfsmittel in kurzer Zeit direkt im Stall durchgeführt werden. Das erleichtert bei übergewichtigen Pferden auch die Überwachung des Diät-Programms enorm. Im BCS unterscheidet man von Grad 1 (stark untergewichtig) bis Grad 9 (stark übergewichtig). Ideal wäre ein BCS zwischen 4 und 6.
- Body Condition Score (BSC).
Ein paar wichtige Grundregeln: um tagesbedingte Schwankungen (durch Arbeit, Futter- oder Ruhephasen) gering zu halten, solltest du den BCS nach Möglichkeit zur gleichen Tageszeit am entspannten Pferd messen. Dein Pferd sollte während der Messung geschlossen auf ebenem Untergrund stehen. Um vergleichbare Ergebnisse zu liefern, sollte auch immer die gleiche Person die Messung vornehmen. Als einzige Hilfsmittel brauchst du einen Stift und ein Notizheft.
Zur Beurteilung des BCS werden 6 Körperbereiche des Pferdes erst mit den Augen bewertet (visuell) und dann noch die Dicke und Qualität des Gewebes an der entsprechenden Stelle erfühlt (haptisch beurteilt).
Für jeden Bereich vergibst du eine Note von 1 (stark untergewichtig) bis 9 (stark übergewichtig) und notierst dir diese. Wenn du alle Bereiche eingehend untersucht hast, werden alle vergebenen Punkte für die 6 Bereiche zusammenaddiert und durch 6 geteilt. Das Ergebnis ergibt den BCS deines Pferdes.
Bei einigen Rassen gibt es durchaus spezifische Fettverteilungen, zum Beispiel haben Robustrassen manchmal andere Körperformen und Fettdepots, die bei Englischen Vollblütern nie vorkommen. Auch Hengste haben im Nackenbereich oft mehr Fettpolster als vergleichbare Stuten oder Wallache.
Stichwort Kammfett: Ein weiterer wichtiger Parameter, den du zusätzlich bestimmen kannst, ist der sogenannte Cresty Neck Score (CNS). Hier werden Noten auf einer Skala von 0 (kein Kammfett) bis 5 (Kamm kippt zu einer Seite) vergeben. In Studien war ein höherer CNS ein Risikofaktor für die Entwicklung von Hufrehe.
Ein wirklich komplettes Bild zum Gewichtszustand des Pferdes, bekommst du, wenn du dir ein Maßband nimmst und (natürlich nach einer vorherigen Gewöhnung an das Maßband) den Brustumfang und die Körperlänge misst. Der Brustumfang wird dabei in der Gurtlage, direkt hinter dem Widerrist gemessen, die Körperlänge vom Buggelenk bis zum Sitzbeinhöcker.
Deine Messwerte trägst du dann in folgender Formel ein (nach Kienzle/Schramm):
Gewicht des Pferdes (kg) = (Körperlänge in cm × Brustumfang in cm)² ÷ 11900
Auch der Bauchumfang lässt sich mit einem Maßband in entsprechender Länge einfach ermitteln und hilft bei der Gewichtsüberwachung.
Ursachen für Übergewicht beim Pferd
Jedes Pferd hat abhängig vom Alter, Rasse, Geschlecht und dem Energieverbrauch durch Arbeit und Witterungsumstände einen individuellen, optimalen Energiebedarf, um sein Gewicht und seine Muskulatur zu erhalten oder weiter Muskulatur aufzubauen. Die Haupt-Ursachen für die Entstehung von Übergewicht sind deshalb leicht einzugrenzen: es kommt in irgendeiner Form mehr Energie durch das Futter in das Pferd hinein oder andersherum gesprochen, es wird zu wenig Energie durch Arbeit und Wärmehaushalt (oder metabolische Gründe) verbrannt.
Bei der Belastung durch Bewegung in Form von „Arbeit“ unterscheidet man zwischen Erhaltung, leichter, mittlerer und schwerer Arbeit. Die meisten Pferde, vor allem im Freizeitbereich bewegen sich im Bereich der Erhaltung, haben also keinen erhöhten Energiebedarf durch Arbeit, der nicht durch hochwertiges Heu als Grundfutter gedeckt werden kann. Sprich: viele Pferde bekommen durch die zusätzliche Fütterung von Kraftfutter und Müslis bei gleichzeitig zu wenig Bewegung zu viel Energie.
Doch auch das Heu selbst kann Ursache für Übergewicht sein. Der Zuckergehalt bei Heu liegt häufig deutlich über den Empfehlungen für Pferde-Heu. Und ähnlich wie bei uns Menschen führen hohe Zuckergehalte zu einer Gewichtszunahme und Belastung des Stoffwechsels beim Pferd. Vor allem bei einer gut gemeinten 24/7 Fütterung von Heu mit zu hohem Zuckergehalt machen viele Pferde nicht ausreichend Fress-Pausen. In Kombination mit reiz- und bewegungsarmer Haltung kann das schnell zu Übergewicht bei entsprechend veranlagten Pferden führen.
Auch falsches Weidemanagement kann zu besonders hohen Zucker-Gehalten im Gras führen, die die Gewichtszunahme und metabolische Erkrankungen begünstigen. Besonders junges, kurzes Gras und Gras, dass durch ungünstige Witterungsbedingungen und zu viel Verbiss gestresst ist, lagert zu viel Zucker ein.
Nicht zu vernachlässigen ist auch die Herkunft einer Pferderasse. Durch die Möglichkeiten des internationalen Transports gibt es auch in Deutschland eine Vielzahl an Pferderassen. Diese Rassen haben sich ursprünglich jedoch durch natürliche und gezielte Selektion in bestimmten Gegenden entwickelt, die teilweise ganz andere Vegetationen zur Ernährung der Pferde haben. Viele Pferde aus kargen Regionen mit knappem Futterangebot haben daher Schwierigkeiten mit den Hochleistungs-Grassorten, die in Deutschland vor allem auf vielen Weiden und auch im Heu vorkommen.
Gesundheitsrisiken durch Übergewicht (Stoffwechselerkrankungen wie EMS, Hufrehe Entstehung und Zusammenhang mit Übergewicht, Kreislauf- und Gelenkbelastung, Hitzeregulation, Lebensqualität & Leistungsfähigkeit)
Wie bei uns Menschen, zählt auch bei Pferden Übergewicht als „Wohlstandskrankheit“ zu einem der größten Risikofaktoren für die Entwicklung von verschiedenen Krankheiten. Ganz primär wird durch das Übergewicht der Kreislauf des Pferdes deutlich stärker belastet. Auch Fettgewebe wird durchblutet und die zunehmende Verfettung von Gewebe führt zu einer zusätzlichen Belastung. Besonders in Kombination mit zu wenig Bewegung und dadurch zu wenig Training für das Herz-Kreislauf-System kommt es hier zu einem Teufelskreislauf von schlechterer Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen im Gewebe und mit schlechterem Abtransport von Kohlendioxid und Abfallprodukten aus dem Gewebe. Sprich der Stoffwechsel leidet und das Pferd nimmt im schlechtesten Fall immer mehr zu. Das schränkt auf Dauer sowohl die Lebensqualität des Pferdes als Bewegungstier, als auch seine Leistungsfähigkeit zunehmend ein.
Besonders in der warmen Jahreszeit kann Übergewicht schwere Auswirkungen haben: neben der zusätzlichen Belastung des Herz-Kreislauf-Systems durch zu viele Pfunde und hoher Temperaturen, wirkt eine Fettschicht auch noch isolierend und das Pferd kann seine Körpertemperatur deutlich schlechter regulieren.
Durch Übergewicht werden auch die Gelenke und das gesamte Bindegewebe des Pferdes stark beansprucht. Einer der wichtigsten Risikofaktoren für Arthrose ist Übergewicht durch zusätzliche Belastung der Gelenkflächen und in Kombination mit mangelndem Training auch fehlende Stabilisation durch das umliegende Bindegewebe. Stichwort Bindegewebe: auch Trageerschöpfung kann beim Pferd durch Übergewicht ausgelöst werden. Durch zu viel Fettgewebe im Bauchraum (häufig auch in Kombination mit nicht gut trainierter Rumpf-Muskulatur) wird der gesamte Brust- und Bauchraum durch die Schwerkraft nach unten gezogen.
Eine weitere schwere gesundheitliche Folge kann das sogenannte Equine Metabolische Syndrom (EMS) sein, eine Stoffwechselerkrankung die leider als „Wohlstandskrankheit“ immer häufiger vorkommt. Die betroffenen Pferde sind übergewichtig, haben eine im Labor nachgewiesene Insulinresistenz (ähnlich wie bei Diabetes mellitus beim Menschen) und zeigen (wiederkehrende) Formen von Hufrehe (chronisch oder akut, manchmal auch subklinisch). Die Hufrehe wird häufig durch eine Kombination von Überbelastung der Hufstrukturen durch Übergewicht, zu wenig oder falsches Training und durch stoffwechselbedingte Prozesse aufgrund von falscher Fütterung von Pferden mit Insulinresistenz ausgelöst. Der genaue Entstehungsprozess wird weiterhin erforscht und scheint für jedes Pferd auch eine individuelle Kombination an verschiedenen Faktoren zu sein.
Was tun, wenn mein Pferd zu dick ist?
Häufige Fehler bei der Gewichtsreduktion (Null-Diät/massiver Futterentzug, Futterreduktion ohne Bedarfsdeckung, Fehlinterpretation von Futtermengen, Bewegungszwang statt Motivation)
Das Wichtigste ist jetzt:
- alle Fakten zu sammeln,
- feststellen welche Faktoren im Alltag des Pferdes (Haltung, Fütterung, Bewegung) beeinflusst werden können,
- einen sinnvollen Plan zur Gewichtsreduktion erstellen,
- dranbleiben und regelmäßig kontrollieren,
- die kleinen Erfolge auf dem Weg sehen und feiern!
Fakten sammeln: Hier stellst du erstmal alle Fakten klar. Profitipp: alles in einem eigenen Diät-Tagebuch festhalten und im Verlauf dokumentieren! Wichtige Punkte sind der BCS deines Pferdes, wenn möglich auch der Bauchumfang und das exakte Gewicht. Entweder auf der Pferde-Waage gemessen oder per Maßband (Anleitung siehe oben).
Der zweite wichtige Punkt ist die Ration deines Pferdes. Hier ist es unumgänglich einmal die Ration entweder selbst oder von einem Experten berechnen zu lassen. Dazu ist eine Heu-Analyse in der Absprache mit deinem Stallbesitzer sinnvoll, um hier die Werte für das Hauptfuttermittel realistisch einzuschätzen. Hier wird gleichzeitig auch ermittelt, ob der individuelle Bedarf an Raufaser, Proteinen und Mineralstoffen gedeckt wird, um eine Gewichtsreduktion bei gleichzeitigem Muskelaufbau zu unterstützen.
Der dritte wichtige Punkt ist den Verbrauch von Energie durch die Bewegung des Pferdes ehrlich einzuschätzen. Am besten misst du dafür über ein bis zwei Wochen mit einer Stoppuhr wie lang du jeweils im Schritt, Trab und Galopp unterwegs bist. Das geht natürlich nur wenn dein Pferd keine akuten Schmerzen durch Arthrose, Hufrehe oder ähnliches hat.
Sinnvoll kann auch die Erstellung eines Blutbildes in Kombination mit der Rationsberechnung sein. Zusätzlich kannst du bei Verdacht auf EMS auch direkt darauf testen lassen.
Beeinflussbare Faktoren: Hier kommt es sehr auf die Umgebung des Pferdes an und welche Möglichkeiten du oder der Stallbetreiber umsetzen kannst, beziehungsweise ob vielleicht ein Umzug in eine geeignetere Haltung sinnvoll ist. Folgende Fragen kannst du dir dabei stellen:
- Kannst du deinem Pferd individuell ein zuckerarmes Heu anbieten, Heu mit Stroh mischen, die Fresszeit durch kleinmaschige Heunetze bei geringerer Futteraufnahme verlängern oder das Heu einweichen? (Dadurch kann der Zuckergehalt sehr stark reduziert werden)
- Ist eine Fütterung mit mehr Fresspausen in Gruppenhaltung möglich? Durch zeitgesteuerte Raufen, beschränkten Zugang zu Heu, Schleusensysteme etc.
- Kannst du den Koppelgang anders gestalten? Achtung, Studien haben gezeigt, dass bei zeitlich begrenztem Koppelgang Pferde trotzdem die gleiche Menge Gras fressen. Fressbremsen sind hier oft die bessere Option.
- Kannst du mehr Bewegung im Alltag deines Pferdes einbauen? Sei es durch längere Laufwege, zusätzliche Bewegung in der Führmaschine oder durch andere Pferdebesitzer oder Reitbeteiligungen
- Kannst du das Training deines Pferdes anders gestalten? Zum Beispiel durch Trab in der Dauermethode ohne zusätzliche Gewichtsbelastung an der Longe oder im Gelände als Handpferd, Ausreiten mit längeren Trab-Phasen im leichten Sitz, leichte Galopparbeit, Schwimmen etc.
Und keine Sorge: nicht alle Faktoren kannst du als Besitzer beeinflussen. Hier ist es wichtig realistisch zu bleiben und wirklich zu überprüfen, welche Veränderungen für dein Pferd den größten Effekt haben und auch auf Dauer umsetzbar sind.
Sinnvoller Plan für die Gewichtsreduktion: Jetzt geht es darum alle beeinflussbaren Faktoren in einen Plan umzusetzen, den du mit deinem Pferd realistisch umsetzen kannst. Das kann auch eine schrittweise Umsetzung der Maßnahmen sein, zum Beispiel wenn dein Pferd geradezu schmerzhaft ist um wirklich zu trainieren. Profitipp: Halte den Plan schriftlich fest. Das heißt nicht, dass du nachher keine Anpassungen machen darfst, hilft aber dabei motiviert Schritt für Schritt weiterzukommen. Lass dich da auch gerne von einem kompetenten Team aus Tierarzt, Ernährungsexperten und Trainer unterstützen.
Regelmäßige Kontrolle: Eine wöchentliche Kontrolle des BCS und des Bauchumfangs hilft dir dabei, objektiv die Erfolge der Diät einzuschätzen und auch motiviert dranzubleiben. Profitipp: In einem Diät- Tagebuch kannst du die Diät-Maßnahmen, Trainingsplan und Umsetzung (am besten gemessen mit der Stoppuhr) und die wöchentlichen Fortschritte notieren. Das schafft Übersicht und motiviert durch den bereits geschafften Weg und die erreichten Ziele!
Erfolge feiern: Das ist wirklich das Wichtigste! Um dein Pferd beim Abnehmen zu unterstützen, hilft es ihm am meisten, wenn du selbst motiviert bist und die Erfolge siehst und entsprechend würdigst. Jedes Kilo weniger ist ein Schritt hin zu mehr Gesundheit, Wohlbefinden und einem zufriedenen und lebensfrohen Pferd! Also feiert das auch zusammen (nur vielleicht ohne die Extra-Portion Leckerlis 😉).
Bei aller Motivation zur Diät solltest du trotzdem auf einige Punkte achten, um wichtige Fehler zu vermeiden. Auf keinen Fall darf man Pferde auf radikalen Futterentzug setzen oder eine Null-Diät starten. Der Verdauungsapparat aller Pferde braucht über den Tag verteilt immer wieder kontinuierlich Raufutter. Zum einen um die ständig produzierte Magensäure im Verdauungstrakt abzupuffern und so der Entstehung von Geschwüren im Magen- und Dünndarm vorzubeugen. Zum anderen brauchen die Bakterien im Dickdarm des Pferdes regelmäßig „Futter“, um gut zu arbeiten und durch die kontinuierliche Verarbeitung von Futterbrei Koliken vorzubeugen. Besonders dicke Pferde kommen durch eine Null-Diät schnell in eine gefährliche Stoffwechseldysregulation, die sogenannte hepatische Lipidose. Dabei wird in der Leber gespeichertes Fett sehr schnell gelöst und zur akuten Versorgung mit Energie verwendet. Das schädigt die Leberzellen und den kompletten Stoffwechsel des Pferdes und kann zu einem lebensbedrohlichen medizinischen Zustand führen. Das sollte natürlich unter allen Umständen vermieden werden.
Wenn die Ration einfach „blind“ reduziert wird, kann es auch passieren, dass der Grundbedarf des Pferdes nicht gedeckt wird. Eine Rationsberechnung ist deshalb bei einer Diät immer sinnvoll. Sie ermittelt den Grundbedarf an Rohfaser (um die Verdauung des Pferdes optimal zu unterstützen und das Kaubedürfnis zu befriedigen), Proteinen (um während der Diät keine Muskulatur zu verlieren, sondern eher einen Aufbau zu unterstützen) und Mineral- und Mikronährstoffen. Eine qualifizierte Ernährungsberatung zeigt auch auf mit welcher Menge von geeigneten Futtermitteln der Bedarf gedeckt ist und welche Möglichkeiten es auch für die praktische Umsetzung gibt. Die größte Herausforderung ist hier oft bei unbegrenztem Zugang zu Heu oder Gras die täglichen vom Pferd gefressenen Mengen richtig einzuschätzen.
Auch wenn ein mehr an Bewegung in einer Diät das A und O ist: hier solltest du immer einen Kompromiss zwischen Bewegungszwang und Bewegungslust finden. Versuche stets Bewegungsformen zu finden, die für das Pferd sinnvoll und motivierend sind. Zum Beispiel können viele Trainingseinheiten ins Gelände verlegt werden, wenn das Pferd hier motivierter ist. Wichtig ist auch deine Einstellung: Für dein Pferd macht es einen enormen Unterschied, ob du das Training selbst als lästiges Pflichtprogramm empfindest oder als Möglichkeit sich gemeinsam zu bewegen, Abenteuer zu erleben, dem Pferd zu helfen und sich nachher einfach gemeinsam gut zu fühlen. Wenn dein Pferd dauerhaft unmotiviert ist oder Anzeichen von Schmerzen zeigt, solltest du natürlich immer versuchen herauszufinden, wo das Problem liegt und dieses nach Möglichkeit beheben.
Wann muss ich zum Tierarzt oder Experten?
- Anzeichen für Erkrankungen erkennen
- Tierärztliche Diagnostik & Blutbilder
- Zusammenarbeit mit Ernährungsberater, Hufschmied, Physiotherapeut
Wenn du bei deinem Pferd folgende Symptome beobachten kannst, solltest du auf jeden Fall deinen Tierarzt kontaktieren:
- Dein Pferd hat einen BCS von 7 bis 9
- Die Fettpolster im Bereich des Mähnenkamms, der Schulterregion, am Schweifansatz und im Bereich von Euter oder Präputium sind besonders ausgeprägt
- Hier kann es sich um erste Anzeichen für EMS handeln. Dein Tierarzt kann hier ein Blutbild anfertigen lassen, um eine Insulinresistenz abzuklären.
- Dein Pferd läuft klamm, stellt die Vorderbeine im Stand nach vorn heraus, fußt in der Bewegung eher im hinteren Bereich des Vorderhufes, die Hufe sind vermehrt warm und du kannst eine sogenannte Pulsation der Mittelfußarterie feststellen
- Die Hufe deines Pferdes zeigen deutliche Querrillen in der Außenwand, die Zehe ist tendenziell zu lang, die weiße Linie ist verbreitert und die Hornqualität ist allgemein schlecht
- Das sind Symptome für eine akute oder chronische Rehe. Hier ist dringend weitere Diagnostik erforderlich (Röntgenbilder, Blutbild) und das Pferd muss vor allem bei einer akuten Rehe dringend behandelt werden, um weitere Schäden zu beheben. Am besten leistest du hier selbst direkt Erste Hilfe!
Damit du im Notfall schnell und richtig reagieren kannst, empfehlen wir dir unseren Erste-Hilfe-Kurs für Pferde.
In allen Fällen ist bei einem übergewichtigen Pferd neben der Schmerztherapie bei Bedarf, eine Diät der nächste Schritt. Um hier einen sinnvollen Plan erstellen zu können ist eine ineinander greifende Zusammenarbeit von Tierarzt, Ernährungsberater, Hufbearbeiter oder Schmied (vor allem bei Rehe-Pferden), Trainer (bei schmerzfreien Pferden) und auch nach Bedarf Physiotherapeut und Osteopath (um den Weg in eine schmerzfreie Bewegung zu unterstützen) sinnvoll und unerlässlich. Profitipp: Den Experten für alles in diesem komplexen Thema gibt es nicht. Deshalb ist es unerlässlich ein kompetentes Team an zusammen arbeitenden Pferde-Profis zur Unterstützung zu haben und gleichzeitig auch stets selbst zu überprüfen was richtig und sinnvoll für dich und dein Pferd ist.
Fütterung mit Köpfchen: Tierärztliche Einblicke von Anni
Erfahrungsberichte aus der Praxis
Mittlerweile haben immer mehr Pferdebesitzer ein großes Bewusstsein, was die Vermeidung von zu langen Fresspausen angeht. Viele wissen mittlerweile: Eine Heufütterung morgens und abends allein reicht nicht aus, um das Kaubedürfnis des Pferdes zu stillen und führt in vielen Fällen zu Magenproblemen oder anderen Verdauungsschwierigkeiten.
Ist dann eine Heufütterung ad libitum (24/7 zur freien Verfügung) die einfache Lösung für alle Pferde? Leider nein. Viele Rassen sind unsere mitteleuropäischen meist sehr zuckerhaltigen Gras-Sorten im Heu nicht gewohnt und verfetten dadurch. Doch auch bei heimischen Pferderassen kann der Zuckergehalt zum Thema werden und Besitzer müssen auch hier immer mehr das Gewicht ihres Pferdes im Blick behalten. Je nach Typ des Pferdes, Haltungsform und Stresslevel machen einige Pferde auch wenig Fresspausen bei ständigem Futterangebot. Das würden sie in der Natur aber regelmäßig machen. Kombiniert mit bewegungsarmer Haltung, zu geringen Bewegungsanreizen oder einfach zu wenig Training wird der Stoffwechsel nicht ausreichend angeregt und die Pferde nehmen zu.
Häufig schauen Pferdesitzer bei “ein paar Pfunden” zu viel noch weg und lassen die Liebe weiterhin durch den Magen gehen. Doch auch Übergewicht kann sprichwörtlich schwere Folgen haben, die ich keinem Pferd und keinem Besitzer wünsche. Rund ist eben nicht gleich gesund.
Frühwarnzeichen erkennen
- Dein Pferd hat einen BCS > 7? Hier solltest du die Ration deines Pferdes überprüfen und in Absprache mit deinem Tierarzt und einen Ernährungsexperten die passenden Maßnahmen ergreifen
- Der Sattelgurt deines Pferdes wird immer “kürzer” und es liegt nicht am regelmäßigen Training und mehr Muskelaufbau? Dann solltest du dringen den BCS überprüfen und bei Bedarf auch die Ration deines Pferdes anschauen.
- Dein Pferd hat Fettpolster im Kammfett und auf der Kruppe, die trotz regelmäßigem Training nicht verschwinden? Hier solltest du deinen Tierarzt kontaktieren, um mögliche Stoffwechselerkrankungen abzuklären.
- Dein Pferd läuft immer wieder fühlig oder möchte sich gar nicht bewegen, stellt die Vorderbeine nach vorn heraus, die Hufe sind warm und du kannst eine Pulsation der Hufarterien fühlen? Hier musst du schnell handeln und deinen Tierarzt hinzu ziehen, dein Pferd hat vermutlich Hufrehe und muss dringend behandelt werden!
FAQ: Häufige Fragen zum Thema Übergewicht bei Pferden
Ab wann ist ein Pony zu dick?
Am besten misst du hier den Body Condition Score deines Pferdes. Dieser gibt dir auf einer Skala von 0 (stark untergewichtig) bis 9 (stark übergewichtig) über die Fettverteilung am Körper deines Pferdes an, wie wenig oder wie stark übergewichtig dein Pferd ist. Und das alles ohne eine spezielle Pferde-Waage. Dabei gilt ein ein BCS > 7 als übergewichtig.
Welche Rolle spielen Leckerlis?
Das kommt immer auf das Pferd und die Menge ein. Bei einem normalgewichtigen Pferd ohne Stoffwechselerkrankungen sind gelegentlich gefütterte Leckerlis in kleinen Mengen in aller Regel kein Problem. Wenn das Pferd bereits übergewichtig ist, Stoffwechselerkrankungen hat, die mit Übergewicht in Verbindung stehen oder bereits Folgeerkrankungen wie Hufrehe hat, sollten zuckerhaltige Leckerlis auf jeden Fall vermieden werden. Hier gilt füttern nach Plan!
Ist Barhuf besser bei übergewichtigen Pferden?
Auch hier kommt es auf mehrere Faktoren an: Auf welchen Untergründen muss das Pferd täglich laufen (in seiner Freizeit und im Training) und wie gut kommt es damit zurecht? Wenn ein übergewichtiges Pferd bereits fühlig läuft, wird es wahrscheinlich wenig Freude an Bewegung haben, wenn jeder Schritt schmerzt. Auch permanente Schmerzen durch steinige Untergründe, schlechte Hornsubstanz, falsche Bearbeitung etc. Kann als Dauerstress ein begünstigender Faktor für Übergewicht sein. Hier gilt bei jedem Pferd immer: die Bearbeitung und/oder der Hufschutz muss so zum Pferd passen, dass es im Alltag schmerzfrei laufen kann und sich gerne bewegt.
Wie schnell darf ein Pferd abnehmen?
Einen konkreten Zeitraum gibt es hier selten. Hier solltest du dich am besten von einem Experten, wie deinem Tierarzt beraten lassen. Abhängig vom BCS und vielleicht auch Begleiterkrankungen muss hier ein individueller Plan aus Bewegung und Diät erstellt werden. Wichtigste Regel: Kein Pferd darf eine Null-Diät machen, besonders (stark) übergewichtige Pferde nicht! Am besten wird durch eine Rationsberechnung der Bedarf überprüft und die Ration so angepasst, dass sie Stück für Stück zum Gewichtsverlust führt, ohne Mangelerscheinungen hervorzurufen oder das Pferd hungern zu lassen. So bekommst du auch langfristig das Gewicht in den Griff!
Fazit
Übergewicht ist als „Wohlstandskrankheit“ Nr. 1 auch bei unseren Pferden ein zunehmendes Problem. Unpassende Rationen, hoher Zuckergehalt im Grundfutter und Bewegungsmangel sind die Hauptursachen für zu viele Kilos auf den Rippen. Als Folge können sich komplexe Krankheitssymptome wie das Equine Metabolische Syndrom entwickeln, die durch eine Insulinresistenz und Hufrehe weitreichende Folgen für Pferde haben. Zur objektiven Bestimmung von Übergewicht eignet sich vor allem der BCS (Body Condition Score). Wenn das Pferd Diät halten muss, ist es essenziell, dass der Pferdehalter gemeinsam mit Tierarzt, qualifiziertem Ernährungsexperten, Trainer, Stallbesitzer und bei Bedarf Hufbearbeiter/-schmied und Physiotherapeut oder Osteopath ein passendes Konzept erarbeitet, dass sich langfristig auch praktisch umsetzen lässt und zur Gewichtsreduktion führt. Damit Besitzer und Pferd gemeinsam wieder mehr Lebensqualität und Bewegungsfreude erfahren!
Quellen:
natural-horse-care.com/pferdekrankheiten/body-condition-score-pferd.html
tierspital.uzh.ch/pferdekliniken/hufrehe/
thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0032-1323598
Bildquelle:
iStock.com/Gabriele Grassl









