Der Sommer ist da – die Sonne scheint, die Tage sind lang und eigentlich würdest du am liebsten jeden Tag im Sattel sitzen. Doch je höher das Thermometer klettert, desto öfter stellt sich dieselbe Frage: Ist es heute eigentlich noch okay, mein Pferd zu reiten? Die Antwort ist nicht immer ein klares Ja oder Nein. Sie hängt von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit, der Tageszeit, deinem Pferd und der geplanten Belastung ab.
Hitzestress beim Pferd entwickelt sich schnell und kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Gleichzeitig musst du deinen Vierbeiner im Sommer nicht in Watte packen: Mit dem richtigen Wissen kannst du auch an heißen Tagen verantwortungsvoll mit deinem Pferd arbeiten, es optimal versorgen und zur richtigen Zeit die Bremse ziehen. In diesem Ratgeber erfährst du:
- Ab welcher Temperatur (und Luftfeuchtigkeit) es für Pferde wirklich zu warm zum Reiten wird
- Wie du Hitzestress und einen drohenden Hitzschlag rechtzeitig erkennst
- Wie du dein Pferd nach der Arbeit richtig abkühlst und welche Fehler Du dabei unbedingt vermeiden solltest
- Ob und wann Elektrolyte sinnvoll sind
- Welche Alternativen zum Reiten dein Pferd bei extremer Hitze genauso glücklich machen
Inhaltsverzeichnis
Die Wohlfühltemperatur des Pferdes
Pferde gelten als robuste Steppentiere und das sind sie auch. Doch bei Hitze stoßen selbst kerngesunde Vierbeiner schneller an ihre Grenzen, als viele Pferdemenschen denken. Als thermoneutrale Zone bezeichnet man den Umgebungsbereich, in dem Pferde ihren Wärmehaushalt nicht durch einen veränderten Energiestoffwechsel regulieren müssen. Für ein erwachsenes Pferd liegt dieser Bereich zwischen -15 °C und +25 °C.
Das bedeutet: Dein Pferd fühlt sich an einem kühlen Herbsttag deutlich wohler als an einem schwülen Sommertag. Und hier überrascht uns die Natur mit einer unerwarteten Tatsache: Gegen Kälte sind Pferde weitaus toleranter als gegenüber Hitze – sofern sie gesund, gut genährt und ans Klima gewöhnt sind. Das dicke Winterfell, der wärmende Verdauungsprozess bei der Heufütterung und die Fähigkeit, Blutgefäße zu verengen, machen Pferde zu echten Kältekünstlern. Bei Hitze hingegen ist der Körper deutlich stärker gefordert.
Gesunde Pferde können sich bei bis zu 30 °C noch gut selbst regulieren. Steigt jedoch die gefühlte Temperatur durch hohe Luftfeuchtigkeit, oder kommt körperliche Belastung hinzu, geraten selbst fitte Pferde schnell an ihre Grenzen.
Nicht alle Pferde reagieren gleich auf Hitze. Pferde sind aufgrund ihrer natürlichen Heimat in der Steppe an starke Temperaturschwankungen gewöhnt und bringen daher außergewöhnlich gut entwickelte und oftmals unterschätzte Fähigkeiten zur Thermoregulation mit. In der Regel funktioniert diese Fähigkeit umso besser, je natürlicher und robuster ein Pferd gehalten wird.
Das bedeutet für dich in der Praxis: Beobachte dein Pferd individuell und verlasse dich nicht ausschließlich auf Richtwerte oder Rassemerkmale. Du kennst dein Pferd am besten und weißt, wann es „nicht so wirkt wie sonst“. Dieses Bauchgefühl ist im Sommer Gold wert.
Wie gut vertragen Pferde Hitze?
Um zu verstehen, warum Hitze für Pferde so anstrengend ist, lohnt sich ein kurzer Blick in die Physiologie. Denn das, was im Pferdekörper bei steigenden Temperaturen passiert, ist faszinierend und erklärt, warum ein heißer Tag mit Training schnell zu viel werden kann.
WICHTIG:
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Pferde können ihre Körpertemperatur auf verschiedenen Wegen regulieren:
- Schwitzen (der wichtigste Mechanismus)
- Atmung (schnellere Atemfrequenz zur Wärmeabgabe)
- Durchblutung der Haut (Wärme wird nach außen transportiert)
- Verhaltensanpassung (Schatten aufsuchen, Aktivität reduzieren)
Das Herzstück der Thermoregulation
In der Sommerhitze ist Schwitzen das wohl wichtigste Kühlsystem des Pferdes. Schweiß erfüllt diverse wichtige Funktionen erfüllt – eine davon ist die Oberflächenkühlung. Dieser Kühleffekt entsteht durch das Verdunsten des Schweißes an der Oberfläche der Haut und des kurzen Sommerfells.
Die Schweißdrüsen produzieren Flüssigkeit und geben sie an die Hautoberfläche ab. Dort wirkt sie kühlend auf die Haut und die darunter liegenden Gefäße. Das unter der Haut fließende Blut wird kühler und wirkt dann selbst abkühlend, sodass es auch bei hohen Außentemperaturen die eigene Temperatur gesenkt wird.
Einen direkten Einfluss hat neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit. Hier liegt eine der größten Fallen im Sommer: Der Kühleffekt durch Verdunstung funktioniert bei geringer Luftfeuchtigkeit deutlich effektiver. Denn bei ohnehin schon hoher Luftfeuchtigkeit kann die von der Haut abgegebene Feuchtigkeit nicht in die Luft entweichen, da diese bereits durch die klimatischen Bedingungen gesättigt ist. Das Pferd schwitzt also – aber der Schweiß verdampft nicht, und die Kühlung bleibt aus. Genau deshalb ist ein schwül-heißer Tag mit 27 °C oft belastender als ein trockener Hochsommertag mit 32 °C.
Außerdem können Pferde Wärme über die Haut abgeben. Erwärmtes Blut wird über Venen und Kapillaren möglichst nah an die Körperoberfläche geführt, um besser abzukühlen. Bei Pferden mit weniger Unterhautfettgewebe, etwa beim Vollblut, funktioniert dieser Prozess der Wärmekonvektion besser als bei Pferden mit mehr Unterhautfettgewebe, zum Beispiel beim Isländer.
Ab Temperaturen über 25 °C beginnen viele Pferde, mit der Wärme zu kämpfen. Besonders in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit, Bewegung oder direkter Sonneneinstrahlung steigt die Belastung deutlich an. Kommt dann noch körperliche Arbeit dazu, steigt die intern produzierte Wärme massiv an — und das Kühlsystem des Pferdes muss auf Hochtouren laufen. Über den gesamten Körper verteilt liegen Schweißdrüsen, vornehmlich an Schulter, Hals und unten am Bauch. Dauer und Intensität der Bewegung, Luftfeuchtigkeit, Umgebungstemperatur, zirkulierende Luft, Fell und die Isolation der Haut beeinflussen dabei, wie viel Schweiß gebildet wird.
Ab wann ist es zu warm zum Reiten?
Du möchtest reiten, aber draußen flimmert die Luft und das Thermometer klettert in die Höhe. Ab wann solltest du wirklich die Zügel in die Hand nehmen, und ab wann lieber nicht? Statt auf ein einziges Temperatur-Pauschalurteil zu vertrauen, lohnt es sich, ein paar konkrete Orientierungswerte zu kennen. Eine der häufigsten Fehlannahmen: „Es sind ja nur 28 Grad, das geht schon.“ Doch wie belastend ein heißer Tag für dein Pferd wirklich ist, hängt nicht allein von der Temperatur ab, sondern vor allem von der Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Genau das bildet der sogenannte Heat Index (auch: Hitzestress-Index) ab.
Der Heat Index lässt sich relativ einfach berechnen. Die Formel dazu lautet: Temperatur in °F + relative Luftfeuchtigkeit in % = Heat Index. Um Celsius in Fahrenheit umzurechnen, gilt: °C × 1,8 + 32 = °F. Also zum Beispiel: 28 °C entsprechen 82,4 °F. Bei einer Luftfeuchtigkeit von 70 % ergibt sich ein Heat Index von 152 – und der liegt damit bereits im kritischen Bereich.
| Heat Index (THI) | Bedeutung | Empfehlung |
|---|---|---|
| unter 130 | ✅ Geringe Belastung | Normales Training möglich |
| 130–150 | ⚠️ Mäßige Belastung | Intensität reduzieren, auf Erholung achten |
| 150–180 | ⚠️ Hohe Belastung | Nur leichte Arbeit, kurze Einheiten |
| über 180 | ❌ Sehr hohe Belastung | Kein Training — Ruhetag einlegen |
Die Orientierungswerte basieren auf dem Temperature-Humidity Index (THI),
einem in der Tiermedizin etablierten Maß zur Bewertung von Hitzestress bei Nutztieren und Pferden
(vgl. u. a. Marlin et al., Equine Veterinary Journal;
McCutcheon & Geor, 1998).
Als grobe Faustregel gilt: Ab einer Außentemperatur von 28 °C in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit solltest du das Training deutlich reduzieren. Bei Temperaturen über 30 °C empfehlen die meisten Tierärzte und Experten, intensive Arbeit ganz zu vermeiden, unabhängig von der Luftfeuchtigkeit. Wichtig zu wissen: Nicht jede Reitstunde ist gleich. Eine entspannte Schrittrunde im schattigen Waldweg ist etwas völlig anderes als eine intensive Dressurstunde in der prallen Sonne auf dem Sandplatz. Folgende Abstufung hilft bei der Einschätzung:
- Leichte Arbeit (Schritt, ruhige Geländerunde im Schatten): Bis ca. 28–30 °C bei normaler Luftfeuchtigkeit meist vertretbar
- Mittlere Arbeit (leichter Trab, Bodenarbeit): Bis ca. 25–27 °C, auf Pausen achten
- Intensive Arbeit (Galopp, Sprung-, Dressurlektionen, Turnier): Ab 25 °C kritisch prüfen, ab 28 °C möglichst vermeiden
Achtung: Für einige Pferde sind die oben genannten Grenzwerte nur ein erster Anhaltspunkt, sie brauchen noch mehr Rücksicht. Grundsätzlich gilt:
- Warmblüter & Vollblüter mit weniger Unterhautfettgewebe können Körperwärme effizienter nach außen abgeben als Kaltblüter.
- Robustpferderassen wie Isländer, Fjordpferde oder Haflinger sind zwar wetterfest, haben bei Hitze aber oft mehr zu kämpfen, da sie zu mehr Unterhautfettgewebe neigen. Das wirkt als Isolationsschicht und reduziert den Wärmeverlust nach außen, aber dadurch wird auch der Wärmeabtransport langsamer, weil Fett Wärme schlechter leitet als viele andere Gewebe.
- Dunkle oder schwarze Pferde absorbieren Sonnenstrahlung stärker und überhitzen bei direkter Sonneneinstrahlung schneller als Tiere mit hellem Fell.
- Ältere Pferde, Fohlen und Pferde mit Vorerkrankungen (z. B. Cushing/PPID) haben oft eine eingeschränkte Regulationsfähigkeit und zählen zu den Risikogruppen.
- Untrainierte oder kranke Pferde haben generell eine geringere Belastungstoleranz und sollten genau beobachtet werden.
So hilfreich Rassemerkmale als grobe Orientierung sind – am Ende ist jedes Pferd anders. Genau wie beim Menschen gibt es auch unter Pferden solche, die Hitze scheinbar mühelos wegstecken, und andere, die schon bei moderaten Temperaturen ins Schwitzen geraten, ganz unabhängig von Rasse, Fellfarbe oder Körperbau.
Wenn du auf regelmäßiges Training nicht verzichten möchtest oder kannst, zum Beispiel weil ein Turnier ansteht, ist es in Hitzeperioden sinnvoller, eine lange Einheit auf zwei kurze aufzuteilen. Eine kurze Einheit am frühen Morgen und eine weitere am Abend belasten den Kreislauf deutlich weniger als eine intensive Stunde in der Mittagshitze. Achte dabei darauf, zwischen den Einheiten ausreichend Erholungszeit einzuplanen und dein Pferd nach jeder Einheit konsequent abzukühlen. Generell empfiehlt es sich auch, das Reiten in die frühen Morgenstunden oder auf den Abend zu legen, da es sich da meistens schon angenehm abkühlt.
Alternativprogramm zum Reiten bei Hitze
Zunächst zur wichtigsten Frage: Ja, es gibt Tage, an denen die beste Entscheidung tatsächlich ist, dein Pferd einfach komplett in Ruhe zu lassen. Liegt der Heat Index über 180, ist es besonders schwül, oder zeigt dein Pferd bereits Anzeichen von Erschöpfung oder Unwohlsein, ist ein kompletter Ruhetag keine Schwäche, sondern verantwortungsvoller Umgang mit deinem Tier. Pferde erholen sich an solchen Tagen am besten, wenn sie freien Zugang zu Schatten und frischem Wasser haben und nicht zusätzlich gefordert werden.
Aber: Auch an heißen Tagen gibt es sinnvolle und pferdegerechte Möglichkeiten, Zeit mit deinem Pferd zu verbringen ohne es zu belasten. Der Schlüssel liegt darin, die Intensität anzupassen und kreativ zu werden. Ein entspannter Spaziergang im schattigen Wald ist an heißen Tagen oft die schönste Möglichkeit, Zeit mit deinem Pferd zu verbringen. Das Pferd bewegt sich, ohne sich wirklich anzustrengen, und der Schatten der Bäume sorgt für natürliche Abkühlung. Auch ruhige Bodenarbeit im Schatten ist eine gute Option: Kleine Übungen, die die Konzentration fördern, ohne den Kreislauf zu belasten. Halte die Einheiten kurz – 15 bis 20 Minuten reichen an heißen Tagen völlig aus.
Du kennst dich mit Bodenarbeit nicht so gut aus? Kein Problem! In unserem Ratgeber „Bodenarbeit mit Pferden – Von A wie Anti-Schreck-Training bis Z wie Zirzensik zu einem zufriedenen Pferd!“ erklären wir dir die Basics und stellen ein paar Übungen vor, die du mit deinem Pferd machen kannst.
Wer kreativ ist, nutzt die Hitze außerdem als willkommene Gelegenheit für ausgiebige Pflege- und Wellness-Einheiten. Ausgiebiges Striegeln, eine entspannende Massage, das Ausmisten und Einrichten der Box oder das geduldige Üben von Kleinigkeiten wie dem ruhigen Stehen – all das stärkt die Bindung zwischen Pferd und Reiter, ohne das Tier zu belasten. Viele Pferde genießen es, an solchen Tagen einfach im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, ohne etwas leisten zu müssen.
Am Ende des Tages ist dein Pferd der beste Gradmesser dafür, was an einem heißen Tag möglich ist und was nicht. Ein Pferd, das munter, neugierig und aufmerksam wirkt, kann auch bei sommerlichen Temperaturen leicht gefordert werden. Ein Pferd, das schon vor dem Reiten träge, desinteressiert oder erschöpft wirkt, schickt dir eine klare Botschaft und die solltest du ernst nehmen. Kein Training der Welt ist es wert, die Gesundheit deines Pferdes aufs Spiel zu setzen.
Hitzestress beim Pferd erkennen – Symptome & Warnsignale
Hitzestress entwickelt sich oft schleichend und genau das macht ihn so gefährlich. Was zunächst wie normale Erschöpfung nach dem Training aussieht, kann sich innerhalb kurzer Zeit zu einem ernsthaften gesundheitlichen Problem entwickeln. Je früher du die Warnsignale erkennst, desto besser kannst du reagieren. Erste Hinweise auf Hitzestress sind oft subtil. Ein erstes Warnsignal ist eine erhöhte Atemfrequenz: Ein gesundes Pferd atmet in Ruhe 8 bis 16 Mal pro Minute – liegt die Atemfrequenz nach einer Ruhepause noch deutlich darüber, solltest du hellhörig werden. Ähnlich verhält es sich mit dem Schwitzen: Schwitzt dein Pferd im Stehen oder in der Box stark, ohne dass es sich bewegt hat, stimmt etwas nicht.
Auch Veränderungen im Verhalten sind wichtige Hinweise. Ein Pferd, das matter wirkt als sonst, langsamer auf Ansprache reagiert und wenig Interesse an seiner Umgebung zeigt, sendet klare Signale. Hängt dazu noch der Kopf tief und wirkt der Blick abwesend, solltest du das Training für diesen Tag abhaken. Besonders ernst nehmen solltest du eine verminderte Futter- und vor allem Wasseraufnahme, denn Pferde, die trotz Hitze weniger trinken, rutschen schnell in eine gefährliche Dehydrierung.
Mit dem Hautfaltentest kannst du außerdem überprüfen, ob dein Pferd dehydriert ist: Greife eine Hautfalte am Hals deines Pferdes, halte sie kurz fest und lass sie dann los. Glättet sich die Falte innerhalb von weniger als zwei Sekunden wieder, ist der Wasserhaushalt in Ordnung. Bleibt sie zwei bis vier Sekunden stehen, liegt eine leichte Dehydrierung vor. Sorge dann sofort für ausreichend Wasser. Bleibt die Falte länger als vier Sekunden stehen, ist die Dehydrierung bereits deutlich fortgeschritten und tierärztliche Hilfe ist erforderlich.
Zeigt dein Pferd deutlichere Symptome, solltest du das Training sofort abbrechen und mit der Abkühlung beginnen. Eine Herzfrequenz, die sich auch nach einer längeren Ruhepause nicht normalisiert, der Normalwert liegt in Ruhe bei 28 bis 44 Schlägen pro Minute, ist ein klares Zeichen, dass der Körper unter Stress steht. Schaumiger oder ungewöhnlich stark salziger Schweiß weist auf einen massiven Elektrolytverlust hin, und ein Zittern der Muskulatur zeigt, dass der Körper bereits mit allen Mitteln versucht, Wärme abzugeben. Taumelt dein Pferd oder zeigt Koordinationsschwierigkeiten, gerät der Kreislauf aus dem Gleichgewicht und das ist ein ernstes Warnsignal. Achte in diesem Moment auch auf die Schleimhäute: Sind sie stark gerötet oder ungewöhnlich blass, kann das auf eine kritische Kreislaufbelastung hinweisen.
Anhand der Schleimhäute kannst du auch einen einfachen Test durchführen, um zu erkennen, ob es deinem Pferd gut geht: Drücke kurz mit dem Finger auf das Zahnfleisch deines Pferdes, sodass eine weiße Stelle entsteht, und lass dann los. Kehrt die Farbe innerhalb von ein bis zwei Sekunden zurück, ist alles normal. Dauert es länger als zwei Sekunden, kann das ein Hinweis auf Kreislaufprobleme sein – in diesem Fall solltest du nicht zögern und sofort den Tierarzt rufen.
Im Zweifelsfall gilt immer: Lieber einmal zu früh anrufen als einmal zu spät. Kein Tierarzt wird es dir übel nehmen, wenn sich die Situation als weniger ernst herausstellt als befürchtet. Bis der Tierarzt eintrifft, kannst du selbst wichtige erste Schritte einleiten: Bringe dein Pferd sofort in den Schatten, halte es ruhig und beginne damit, es mit kühlem, aber nicht eiskaltem, Wasser zu kühlen. Besonders effektiv ist das Kühlen an Hals, Bauch und der Innenseite der Beine, da dort große Blutgefäße nah an der Oberfläche liegen. Biete deinem Pferd auch frisches, kühles Wasser zum Trinken an, aber zwinge es nicht. Viele überhitzte Pferde trinken in diesem Moment wenig oder gar nicht, was völlig normal ist. Wichtiger ist zunächst die äußere Kühlung, denn der Körper muss zuerst von außen heruntergekühlt werden, bevor das Pferd sinnvoll Wasser aufnehmen kann.
Infografik: Hitzestress beim Pferd erkennen
- Hinweis: Einzelne in dieser Grafik verwendete Illustrationen wurden mithilfe von KI erstellt.
Hier findest du die Infografik zusätzlich als PDF zum Download. Ideal zum Ausdrucken oder Abspeichern.
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Wie du dein Pferd nach dem Training oder bei einer Überhitzung generell richtig abkühlst und welche Fehler du dabei unbedingt vermeiden solltest, erklären wir dir im nächsten Abschnitt.
So kühlst du dein Pferd richtig ab
Beim Abspritzen machen viele Pferdebesitzer unbewusst Fehler, die den Kühleffekt abschwächen oder sogar umkehren. Das Wichtigste zuerst: Nutze kühles, aber kein eiskaltes Wasser. Zu kaltes Wasser kann die Muskulatur verkrampfen lassen und den Kreislauf unnötig belasten.
Beginne immer an den Beinen, am besten an den Hufen, und arbeite dich langsam nach oben vor. So gewöhnst du dein Pferd schrittweise an die Temperatur und schonst den Kreislauf. Wir Menschen springen ja auch nicht gerne unvorbereitet in einen eiskalten See.
Die Frage, ob man ein Pferd nach dem Abspritzen mit einem Schweißmesser abstreichen sollte, wird unter Reitern oft hitzig diskutiert. Die kurze Antwort lautet: Es kommt darauf an, ob du das Pferd kühlen oder trocknen willst. Wenn das Ziel die maximale Abkühlung eines erhitzten Pferdes ist, ist das Abstreichen laut neueren Studien (z. B. von Dr. David Marlin) eher kontraproduktiv.
Der Mythos: Früher glaubte man, dass das Wasser im Fell wie eine Isolationsschicht wirkt und das Pferd „aufkocht“ (der sogenannte Sauna-Effekt). Dr. David Marlin beschreibt in dem Artikel „Cooling people, dogs and horses – cooling facts and cooling myths“, dass Wasser Wärme deutlich besser leitet als Luft. Solange das Wasser auf dem Pferd ist, entzieht es dem Körper durch Wärmeleitung Hitze. Zudem sorgt die anschließende Verdunstung für einen lang anhaltenden Kühleffekt. Die Empfehlung: Bei großer Hitze ist es am effektivsten, das Pferd kontinuierlich mit kühlem Wasser abzuspritzen. Wenn du das Wasser zwischendurch abziehst, unterbrichst du den Kühlprozess und die Hauttemperatur steigt sofort wieder an. Wenn dein Pferd ausreichend abgekühlt ist, kannst du das Wasser mit einem Schweißmesser oder deiner flachen Hand abstreifen, so kann dein Pferd schneller trocknen.
Wie viel trinken Pferde im Sommer?
Wasser ist im Sommer das A und O der Pferdegesundheit und trotzdem wird das Thema oft unterschätzt. Dabei ist eine ausreichende Wasserversorgung bei Hitze nicht nur wichtig für das Wohlbefinden deines Pferdes, sondern kann im Ernstfall lebensrettend sein. Denn Dehydrierung ist eine der häufigsten Ursachen für Kolik in den Sommermonaten und Kolik ist nach wie vor eine der gefährlichsten Erkrankungen beim Pferd.
Der Wasserbedarf eines Pferdes ist höher, als viele Reiter denken. Ein Großpferd trinkt unter normalen Bedingungen durchschnittlich etwa 30 bis 50 Liter Wasser pro Tag. An heißen Tagen oder bei körperlicher Arbeit kann dieser Bedarf deutlich ansteigen.
Sorge deshalb dafür, dass dein Pferd jederzeit freien Zugang zu frischem, sauberem Wasser hat – sowohl im Stall als auch auf der Weide. Tränken, die in der prallen Sonne stehen, erhitzen sich schnell auf Temperaturen, die das Pferd unangenehm findet und ablehnt. Die Folge: Es trinkt weniger, obwohl es eigentlich Durst hat. Stelle Tränken daher möglichst im Schatten auf und kontrolliere die Wassertemperatur regelmäßig.
Ein paar Tipps, wie du dein Pferd dazu animieren kannst, mehr zu trinken, zeigen wir dir in diesem Video:
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Braucht mein Pferd Elektrolyte?
Im Sommer kann es außerdem sinnvoll sein, deinem Pferd zusätzlich Elektrolyte zu füttern.
GUT ZU WISSEN:
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Beim Schwitzen verliert das Pferd nicht nur Wasser, sondern gleichzeitig große Mengen dieser Mineralstoffe. Das erklärt übrigens auch, warum Pferdeschweiß im Gegensatz zu menschlichem Schweiß so schaumig ist: Er enthält das Protein Latherin, das als eine Art natürliches Netzmittel wirkt und dafür sorgt, dass der Schweiß das dichte Fell durchdringen und an der Oberfläche verdunsten kann. Je schaumiger der Schweiß, desto mehr hat das Pferd geschwitzt und desto mehr Elektrolyte hat es verloren.
Für Pferde, die moderat bewegt werden und nicht übermäßig schwitzen, ist ein Salzleckstein in der Regel ausreichend. Er ermöglicht es dem Pferd, seinen Natriumhaushalt selbst zu regulieren, indem es leckt, wann immer es das Bedürfnis hat. Wichtig dabei: Der Leckstein sollte immer frei zugänglich sein – sowohl im Stall als auch auf der Weide.
Anders sieht es bei Sportpferden, Pferden, die regelmäßig stark schwitzen, oder bei anhaltender Hitzeperiode aus. Hier kann der Verlust an Elektrolyten so hoch sein, dass ein Leckstein allein nicht mehr ausreicht, um ihn auszugleichen. In diesem Fall kann ein gezielter Elektrolytzusatz im Futter oder im Wasser sinnvoll sein. Achte dabei auf ein hochwertiges Produkt, das alle wichtigen Mineralstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis enthält und nicht nur Kochsalz, das manchmal als günstiger Ersatz verkauft wird.
Ein häufiger Fehler beim Einsatz von Elektrolyten: Sie werden gegeben, ohne dass das Pferd gleichzeitig ausreichend Wasser zur Verfügung hat. Das ist kontraproduktiv, denn Elektrolyte erhöhen den Durst und regen die Wasseraufnahme an. Kann das Pferd diesen gesteigerten Bedarf nicht decken, verschlimmert sich die Dehydrierung sogar. Gib Elektrolyte daher immer zusammen mit freiem Zugang zu frischem Wasser und nie als einzige Maßnahme bei einem bereits dehydrierten Pferd. In diesem Fall ist immer zuerst der Tierarzt gefragt.
Stall oder Weide? Was ist bei Hitze besser?
Eine Frage, die viele Pferdebesitzer im Sommer beschäftigt: Ist mein Pferd bei Hitze lieber draußen oder drinnen? Die Antwort hängt von den konkreten Bedingungen ab. Als Faustregel gilt: Ein gut belüfteter, schattiger Stall ist an sehr heißen Tagen oft die bessere Wahl als eine schattenlose Weide in der prallen Mittagssonne. Pferde, die auf der Weide keinen Schatten finden, sind der Sonnenstrahlung schutzlos ausgeliefert und überhitzen deutlich schneller als Pferde, die sich in einen kühlen Stall zurückziehen können.
Ideal ist ein System, das dem Pferd die Wahl lässt: Ein Offenstall oder ein Paddock mit Zugang zum Stall ermöglicht es dem Pferd, selbst zu entscheiden, wo es sich wohler fühlt und Pferde treffen diese Entscheidung in der Regel sehr zuverlässig.
Wenn dein Pferd tagsüber auf die Weide soll, plane den Weidegang an heißen Tagen bewusst. Die kühlsten und angenehmsten Stunden sind die frühen Morgenstunden und der späte Abend, genau dann lässt du dein Pferd am besten raus. Tagsüber, besonders zwischen 11 und 17 Uhr, ist die Hitzebelastung auf einer sonnigen Weide oft zu hoch. Pferde, die in dieser Zeit draußen stehen, suchen instinktiv Schatten. Sorge auf der Weide deswegen unbedingt für ausreichend Schatten – sei es durch Bäume, ein Schattensegel oder ein Weidezelt. Je nachdem ist es auch eine Möglichkeit, dein Pferd die ganze Nacht auf die Wiese zu stellen und tagsüber im Stall zu lassen.
Weitere häufig gestellte Fragen zum Thema „Pferde und Hitze“ (FAQ):
Können Pferde Sonnenbrand bekommen?
Ja, Pferde können Sonnenbrand bekommen. Besonders gefährdet sind Pferde mit heller Haut und weißen Abzeichen, vor allem im Bereich der Nüstern, der Lippen und rund um die Augen. Schütze gefährdete Hautpartien an besonders sonnigen Tagen mit Sonnencreme oder einer Fliegenmaske mit UV-Schutz.
Mein Pferd trinkt im Sommer zu wenig. Was kann ich tun?
Ein Trick ist es, das Wasser schmackhaft zu machen: Ein Schuss Apfelsaft, Karottensaft oder etwas Mash im Wasser wirkt oft Wunder. Zudem sollte man kontrollieren, ob die automatischen Selbsttränken genug Durchfluss haben (mindestens 8–10 Liter pro Minute), da viele Pferde bei zu dünnem Strahl die Lust am Trinken verlieren.
Darf ich mein Pferd bei extremer Hitze zum Turnier fahren?
Das ist eine Frage, die du ehrlich für dich und dein Pferd beantworten musst und die Antwort lautet nicht immer ja. Während des Transports steigt die Temperatur im Inneren eines Anhängers schnell an, selbst bei geöffneten Lüftungsschlitzen kann es im Fahrzeug deutlich wärmer werden als draußen. Die Folgen reichen von Hitzestress und Dehydrierung über verminderte Leistungsfähigkeit bis hin zu Kolik oder im schlimmsten Fall Lebensgefahr. Außerdem sind Pferdetransporte aber einer bestimmten Außentemperatur nur noch in Ausnahmefällen erlaubt. In den Niederlanden wird die bisherige Transportgrenze von 35 °C voraussichtlich ab April 2027 auf 30 °C gesenkt. Für Pferdebesitzer lohnt es sich, diese Entwicklung im Blick zu behalten. Informiere dich außerdem vorab beim Veranstalter: Viele Turniere haben inzwischen Hitzeregelungen, die bei bestimmten Temperaturen Starts verschieben, verkürzen oder ganz absagen.
Fazit
Hitze ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund zur Vorsicht. Pferde sind robuster als wir manchmal denken, aber empfindlicher gegenüber Hitze, als viele Reiter vermuten. Wer die Warnsignale kennt, den Heat Index im Blick behält und sein Pferd aufmerksam beobachtet, ist schon einen großen Schritt voraus. Denk daran: Dein Pferd kann dir nicht sagen, dass es ihm zu warm ist. Aber es zeigt es dir, wenn du weißt, worauf du achten musst.
Und manchmal ist der schönste Sommertag mit dem Pferd einfach der, an dem ihr gemeinsam im Schatten chillt, die Mähne kämmt und die Hitze an euch vorbeiziehen lasst.
Quellen:
Dieser Ratgeber basiert auf veterinärmedizinischer Fachliteratur und sportmedizinischen Standardwerken zur Thermoregulation und Belastungsphysiologie des Pferdes
McCutcheon, L. J., & Geor, R. J. (1998). Sweat fluid and ion losses in horses during training and competition in cool vs. hot environments. Equine Veterinary Journal, 30(S26), 116–123.
Marlin, D. J., Scott, C. M., Roberts, C. A., Casas, I., Holah, G., & Schroter, R. C. (2001). Comparison of different methods of cooling horses after exercise in a high temperature, high humidity environment. Equine Veterinary Journal, 33(S33), 48–52.
Marlin, D. J., Scott, C. M., Schroter, R. C., & Harris, R. C. (1995). Physiological responses of horses to exercise in heat. Equine Veterinary Journal, 27(S18), 129–134.
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horsefolkmagazin.com/mythos-das-abziehen-von-wasser-schuetzt-vor-ueberhitzung/
animalosteopathycollege.com/blog/cooling-hot-horses-the-right-way-and-busting-myths
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horse-watch.nl/de/blogs/portable-horse-camera/pferdetransport-bei-hitze-was-aendert-sich-und-wie/
madbarn.com/equine-heat-index/
Beitragsbild:
Bild von Rebecca Scholz auf Pixabay







