Hast du dich schon einmal gefragt, ob Pferde Tomaten essen dürfen? Da Pferde keine Allesfresser sind, fragen sich Pferdehalter immer wieder, was sie mit ihrem Liebling teilen dürfen und was nicht. In diesem Ratgeber findest du Antworten darauf, was in Tomaten enthalten ist, wie ihre Inhaltsstoffe wirken und ob sie für Pferde geeignet sind.
Inhaltsverzeichnis
Expertenantwort auf die Frage: „Dürfen Pferde Tomaten essen?“
Unsere Tierärztin Anni sagt: „Tomaten sind definitiv rot auf der Ernährungsampel. Sie sollten deshalb auf keinen Fall gefüttert werden. Als Faustregel kann man sich dafür gut merken, dass alle Nachtschattengewächse für Pferde meistens ab gewissen Mengen giftig sind und deshalb einfach nicht auf den Speiseplan gehören.“
Der Paradeiser hat es in sich: Das ist in Tomaten alles enthalten!
Grün bis gelb-orange und rot, rund sowie an einem Stiel hängend – nein, es dreht sich abermals nicht um den Apfel – heute ist die Tomate im Futter-Fokus. Und auch, wenn sie in Österreich und Südtirol als Paradeiser bekannt ist, heißt es nicht, dass sie ein paradiesischer Snack oder gar ein Futtermittel für dein Pferd sein könnte.
Denn obwohl Tomaten zu rund 95 Prozent aus Wasser bestehen, ist in den restlichen 5 Prozent eine hohe Nährstoffdichte beziehungsweise Dichte an allerlei Pflanzenstoffen zu finden: 280 mg Kalium, 27 mg Phosphor, 11 g Calcium, 10 mg Magnesium, 3 mg Natrium, 0,6 mg Eisen, 0,25 mg Zink und dazu noch 38 mg Vitamin C, 0,8 mg Vitamin E, 114 µg vom Vitamin A, 90 µg Vitamin B1, 50 µg Vitamin B3 und 40 µg Vitamin B2 stecken in 100 g einer Tomate. Ballaststoffe sind nur zu 1,2 g enthalten, Zucker zu 2,6 g – sehr süß sind sie also nicht – und Eiweiß zu 1 g. Mit 20 kcal bei insgesamt 4 g Kohlenhydraten und nur 0,3 g Fett klingt die Tomate nach einem leichten Pferdesnack.
Doch gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Pflanzenstoffe, die hier zu erwähnen sind: Gesundheitsfördernde Carotinoide, also Pflanzenfarbstoffe, wie Betacarotin, Lutein, Lycopin und Cryptoxanthin sind ebenso in der Tomate enthalten. Allerdings auch weniger wünschenswerte Pflanzenstoffe wie Glykoalkaloide. Dazu gehören in der Tomate das Tomatin (α-Tomatin) und Dehydrotomatin. Auch das Solanin (α-Solanin), welches allgemein in Nachtschattengewächsen vorhanden ist, ist eines dieser Glykoalkaloide.
Solanin steckt in reifen, also roten Tomaten mit bis zu 0,7 mg pro 100 g Tomate. In unreifen, also grünen Tomaten ist der Solaningehalt bei gleichem Gewicht weit höher: bis zu 32 mg. Für den Menschen gelten Dosen von 1 mg Solanin pro Kilogramm Körpergewicht schon vergiftend. Als toxisch lebensgefährlich werden 3 bis 5 mg pro kg Körpergewicht angesehen. Lediglich 0,5 mg gelten als „gesunder“ Grenzwert je kg Körpergewicht (Bundesinstitut für Risikobewertung, BFR). Bis zu diesem Wert soll keine gesundheitsschädigende Wirkung durch Solanin eintreten.
TOMATIN VERSUS SOLANIN:
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Ebenso wie das Solanin, was der Tomatenpflanze als Fraß-Schutz vor Insekten und Mikroorganismen wie Schimmelpilzen dient, enthält die Tomate auch Lektine. Gleichsam sollen auch sie die Pflanze vor Schädlingen schützen. Im Pferdekörper (auch im menschlichen) heften sich Lektine aber an die Membranoberflächen von Zellen an. Damit sind sie nichts, was dein Pferd noch zusätzlich aus der Tomate benötigt. Denn auch sie können Entzündungen fördern. Lektine, die die roten Blutkörperchen verklumpen lassen, sind in geringen Mengen nämlich auch in Esparsette, Luzerne, Hafer, Gerste, Erbsen oder Mais vorhanden, wenngleich sie in der Futtermittelherstellung durch Erhitzen denaturiert, also in eine ungefährliche Form gewandelt werden, da sie hitzelabil sind.
Tomate klingt plötzlich mehr nach einem Gift-Cocktail fürs Pferd
Entzündungsfördernde Oxalsäure ist in der Tomate zudem enthalten. Zu 50 mg pro 100 g dieser Beere. Dabei gelten 50 mg Oxalsäure (pro 100 g Lebensmittel) als hoher Gehalt. Gering wären weniger als 10 mg, mittel wird von 10 bis 50 definiert und hoch eben ab 50 mg aufwärts. Oxalsäure kann eine Bildung von Nierensteinen und Symptome eines Calciummangels (beispielsweise Muskelzittern, steifer Gang, Krämpfe) fördern, aber auch zu Durchfall oder Rhythmusstörungen führen. Besonders, wenn Sauerampfer – enthält 500 mg Oxalsäure pro 100 g – gefressen oder im Heu getrocknet unbemerkt mitgefressen wird. Oxalsäure existiert also auch in Weidepflanzen. Hier als Stoffwechselabbauprodukt. Und das solltest du zudem wissen, falls du deinem Pferd gerne Rote Beete fütterst: In Roter Beete sind 181 mg Oxalsäure auf 100 g dieses frischen und ungekochten Wurzelgemüses enthalten.
EIN TIPP AM RANDE:
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Das gleiche gilt natürlich auch für deine eigene Ernährung, sobald du Rote Beete oder andere Oxalsäure-haltige Gemüse isst. Dabei reduziert Kochen und Einweichen den Oxalsäure-Gehalt. Dieser sammelt sich dann im Kochwasser, was selbstverständlich zu entsorgen ist. Ein wichtiger Unterschied zwischen der Darmflora des Pferdes und der des Menschen: Pferde besitzen kein „Oxalobacter formigenes“, ein Bakterium, dass Oxalsäure – wenn sie dann einmal im Darm angekommen ist – abbaut und als Energiequelle nutzt. Der Mensch beherbergt diesen anaeroben Bakterienstamm aber sehr wohl in seinem Darmmikrobiom, womit es ihm mehr als dem Pferd beim Oxalatabbau behilflich ist. Außerdem kannst du (sofern du nicht vegan lebst) Oxalsäure-haltige Lebensmittel auch gemeinsam mit Milchprodukten verzehren. Das Calcium darin hilft dem Körper weniger der Säure aufzunehmen und die aufgenommene dann nierenschonend auszuscheiden.
Ein weiterer Grund, Tomaten nicht zu füttern, ist das Histamin. 100 g Tomaten enthalten 1,1 bis 2,2 mg Histamin. Aber viel entscheidender ist, dass sie (ebenso wie Erdbeeren, Bananen und Zitrusfrüchte, beispielsweise Orangen) als Histaminliberatoren zu betrachten sind, was bedeutet, dass körpereigenes Histamin durch ihren Verzehr aus Histamin produzierenden Zellen wie Mastzellen oder Thrombozyten freigesetzt werden kann. Wenn eine Pferdefütterung kein perfektes Heu zu bieten hat, dieses möglicherweise schon histaminreich ist, weil Bakterienstämme (z. B. Clostridien) Histamin im Heu gebildet haben – lies hierzu auch unseren Stallbedarf24-Ratgeber „Heuernte 2024 – Lässt die Qualität zu wünschen übrig, besteht beim Pferdehalter Handlungsbedarf!“ – kann eine Futteraufnahme von beispielsweise vielen Tomaten die Histamintoleranz vom Pferdekörper kollabieren lassen. Allergien wie Nesselfieber, aber auch Durchfälle und Koliken können die Folge sein.
Darüber hinaus kommt Nikotin nicht nur im Nachschattengewächs Tabak vor, sondern ebenfalls im Nachtschattengewächs Tomate. Mit 7,1 bis 7,3 µg Nikotin je Gramm roter Tomate kannst du bei diesem Fruchtgemüse rechnen. Ist die Tomate noch unreife enthält sie mehr, denn die Nikotinkonzentration nimmt im Reifeprozess ab. Doch ist diese Konzentration natürlich gering und sollte nicht ausreichen, um abhängig machenden Schaden im Pferdegehirn anzurichten. Zum Vergleich: In einer Zigarette befinden sich zwischen 4 und 20 mg Nikotin. Auf eine Tomate von 100 g gerechnet, würde dein Pferd also 0,71 bis 0,73 mg dieses Alkaloids verzehren.
Wirkung einer Tomatenfütterung mit Vor- und Nachteilen
Wichtig ist zu wissen, dass die schlimmen Gifte in grünen Tomaten lauern. Werden rote Tomaten einmal versehentlich vernascht, ist es nicht gesund, wie du weiter oben schon gelesen hast, aber der Pferdekörper wird mit den Inhaltsstoffen wahrscheinlich fertig werden – ausnahmsweise mal.
Vorteile einer Tomatenfütterung gibt es aber wirklich keine, deshalb kommen hier gleich die Nachteile auf den Tisch:
- Durch die Fütterung unreifer, grüner Tomaten, auch ihrer Strünke und/oder den Blättern sowie Stielen der Tomatenpflanze können aufgrund ungesunder Pflanzenstoffe Kopfschmerzen und Übelkeit, Reizungen von Magen und Darm mit möglichen Magenkrämpfen, aber auch Durchfällen und Entzündungen der Schleimhäute entstehen.
- Die enthaltenen Glykoalkaloide greifen – gleich ob reifes oder unreifes Fruchtgemüse – die Schleimhäute des Verdauungsapparates an. Je mehr ein Pferd an Tomaten zu sich nimmt, desto schlimmer: Durchfall, Apathie, Speichelbildung können durch vorangegangene Hämolyse die Folge sein. Das gilt auch beim Verzehr von Kartoffeln und ihren Blättern/Kartoffelpflanzen.
- Weiterhin kann ein Pferde Ekzeme entwickeln und mit Atembeschwerden, gar einer Atemlähmung oder Paresen (teilweiser Lähmung beispielsweise der Skelettmuskulatur mit Minderung der Muskelkraft/verringerter Muskeltonus) besonders auf die Aufnahme von unreifen, also grünen Tomaten oder Pflanzenteilen wie Stielen und Blättern reagieren. Nierenfunktionsstörungen sind bei Vergiftungen außerdem möglich.
- Zu einer akuten toxischen Wirkung nach Oxalsäure-Verzehr gehören auch Darmblutungen, Kreislaufkollaps und Nierenversagen. Beim Menschen wurde eine Vergiftung durch 6 bis 8 g Oxalsäure aufgrund des „Genusses“ einer Sauerampfersuppe bereits belegt.
NOTFALLMITTEL VORRÄTIG HABEN:
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Mögen Pferde Tomaten?
Im Allgemeinen kann man sagen, dass Pferde Tomaten nicht mögen. Sind sie aber sehr neugierig oder hungrig, könnten sie schonmal reinbeißen – wer weiß … Es mag also Pferde und Ponys geben, insbesondere wahrscheinlich futterhungrige Mäuler, die auch vor Tomaten in Gemüsebeeten nicht halt machen – sofern sie ihrer habhaft werden.
Doch sind Tomaten nicht das, was man sich für sein Pferd als Snack oder Zusatzmahlzeit wünschen sollte. Auch als Mülleimer sollten Pferde – weil eine Tomate nicht mehr als genießbar für den Menschen erachtet wird – nicht missbraucht werden. Ganz im Gegenteil: Pferde sind keine Allesfresser wie beispielsweise Schweine. Gibt dir ein Unwissender als gut gemeinte Geste eine Tomate für dein Pferd, lehne sie dankend ab.
Fazit
Hab keine „Tomaten auf den Augen“ und sieh genau hin, was du fütterst. Obwohl die Tomate für einige ihrer Inhaltsstoffe als ausgezeichnetes Lebensmittel gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine schöne Haut im Humanbereich gerühmt wird, wäre selbst hier die nötige tägliche Verzehrsmenge wohl so hoch, dass diese nicht gegessen werden könnte. Zudem enthält die Tomate Stoffe, die nicht jedem Körper gut tun: Oxalsäure, Nikotin, Solanin, Tomatin und ihre Aktivität als Histaminliberator müssen fürs Pferd einfach nicht sein – ganz im Gegenteil. Lasse den Gift-Cocktail aus deinem Pferd heraus und gönne ihm ein paar gute Pferdeleckerlis, einen Spaziergang mit frischem Gras oder einige Ästen zum Knabbern. Denn selbst, wenn du dein Pferd liebst, musst du deine Mahlzeiten und Essgewohnheiten nicht mit diesem teilen. Das ist einfach nicht angemessen.
Medizinische Qualitätsprüfung: Der Inhalt dieses Textes wurde von Anni Weickelt geprüft, um höchste Qualitätsstandards zu gewährleisten.

Anni ist Tierärztin, Reit- & Pferdertrainerin und begeisterte Besitzerin mehrerer Pferde. Ihre Schwerpunkte sind Trainingscoaching und die faire Ausbildung von Pferden. Neues rund ums Pferd zu lernen war für Sie schon immer genauso spannend wie die direkte Arbeit mit dem Pferd. Im Tiermedizinstudium konnte Sie Ihre Begeisterung für die Medizin mit Ihrer Leidenschaft für Tiere verbinden. Im Laufe der Zeit wuchs auch Ihre eigene kleine Pferdeherde und Sie konnte sich in den Bereichen Haltung, Fütterung und Stallmanagement fortbilden. Ihr umfangreiches fachliches Wissen gibt Sie hier im Ratgeber in verschiedenen Formaten an euch weiter!
Quellen:
de.wikipedia.org/wiki/Tomate
histaminta.de/tomaten-bei-histamin-intoleranz-ratgeber/
verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/bei-natuerlichen-schadstoffen-in-pflanzlichen-lebensmitteln-aufpassen-53263
zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/gemuese/tomaten
facebook.com/100046065620597/posts/heutiger-fallbericht-seltenes-aus-der-pferdepraxisanfang-des-monats-erhielten-wi/1073945537484290/
ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2007/08_07/EU08_474_477.qxd.pdf
foodfibel.de/blog/kartoffel-tomate-ersetzen/#:~:text=Unser%20K%C3%B6rper%20kann%20die%20Nachtschattengifte,rund%2011%20und%2019%20Stunden.
ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pfd_2009/11_09/EU11_636_639.qxd.pdf#:~:text=Einige%20Mikroorganismen%20k%C3%B6nnen%20Oxals%C3%A4ure%20abbauen%2C%20vor%20allem,schon%20im%20Kindesalter%20Bestandteil%20der%20normalen%20Darmflora.
aok.de/pk/magazin/ernaehrung/lebensmittel/wie-gesund-sind-tomaten-wirklich/
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